Fred Iselin: Von den Glarner Schneefeldern zur Legende von Aspen
- Patrick

- 1. Juni
- 6 Min. Lesezeit
Die Geschichte eines Glarner Skifahrers, der den Pioniergeist des Schweizer Skisports über den Atlantik trug

Eine Glarner Kindheit auf Skiern
Lange bevor Skifahren zu einer globalen Winterindustrie wurde, war es ein Experiment in Mut, Neugier und bergtauglicher Praxis. Kaum ein Ort war für dieses Experiment so wichtig wie Glarus. 1893 half Christof Iselin bei der Gründung des Skiclubs Glarus, der weithin als erster Skiclub der Schweiz gilt; 1902 organisierte er das erste Skirennen der Schweiz; und 1904 setzte er sich sowohl für die Gründung des Schweizer Skiverbandes als auch für die Einführung von Skiern in der Schweizer Armee ein.
Fred Iselin wurde 1914 in Glarus geboren, in einem Haushalt, in dem Skier keine Neuheit waren, sondern Teil des täglichen Berglebens. Laut der U.S. Ski & Snowboard Hall of Fame stand Fred im Alter von vier Jahren zum ersten Mal auf Skiern und fuhr als Junge mit Skiern zur Schule. Diese Anekdote ist mehr als nur eine charmante Familiengeschichte. Sie spiegelt die ungewöhnliche Welt wider, in die er hineingeboren wurde: Für Fred war Skifahren nichts, was man im Urlaub entdeckte; es war eine Sprache, die man fast so früh lernte wie das Laufen.
Der Vater hinter dem Vermächtnis: Christof Iselin

Um Fred zu verstehen, muss man zunächst die Atmosphäre verstehen, die sein Vater schuf. Christof Iselin war nicht nur ein begeisterter Skifahrer. Er war ein Schweizer Skipionier, Kaufmann, Offizier und Organisator, dessen Einfluss von Glarus bis in die nationalen Institutionen des Schweizer Skisports reichte. Das Historische Lexikon der Schweiz verzeichnet seine frühen Skiversuche in den Jahren 1891 und 1892, die Gründung des Skiclubs Glarus im Jahr 1893, das erste Schweizer Skirennen im Jahr 1902 und seine Rolle im Jahr 1904 bei der Förderung sowohl eines nationalen Skiverbandes als auch von Skiern für die Armee.
Der Schweizer Alpen-Club fasste Christofs Rolle später in ungewöhnlich deutlichen Worten zusammen: Vor ihm hatten vereinzelte Skiversuche in der Schweiz keine Dynamik entwickelt; durch sein persönliches Engagement gelang dem Skisport der Durchbruch. Die frühe Geschichte von Glarus ist lebhaft. Christof probierte primitive, selbstgebaute Skier aus, besorgte sich norwegische Skier, bestieg im Januar 1893 den Schilt bei Glarus und trug dazu bei, die Vorteile von Skiern gegenüber traditionellen Schneeschuhen bei der berühmten Pragelpass-Überquerung zu demonstrieren.
„Glarus, nicht St. Moritz, war ein Schlüsselort für die Entwicklung des Skisports in der Schweiz.“ Dies ist der zentrale Punkt, den das Schweizer Skimuseum hervorhebt, das Christof Iselin als Schlüsselfigur für die organisierte Geburt des Schweizer Skisports im Jahr 1893 identifiziert.
Diese Geschichte ist wichtig, weil Fred nicht einfach nur der talentierte Sohn eines berühmten Vaters war. Er wuchs in einem lebenden Experiment auf. In der Familie Iselin war Skifahren mit Sport, Fortbewegung, militärischer Bereitschaft, Bildung und Bergkultur verbunden. Dieses umfassende Verständnis prägte später Freds eigenen Stil als Lehrer: praktisch, mutig, humorvoll und stets darauf bedacht, anderen zu helfen, sich auf dem Schnee wohlzufühlen.
Ein von den Alpen geformter Rennfahrer

Schon als Teenager unterrichtete Fred Iselin Skifahren in der Schweiz und später in Österreich. In den späten 1930er Jahren erwarb er sich einen hervorragenden Ruf als Wettkämpfer. Quellen aus der Aspen Hall of Fame und der Skigeschichte Colorados schreiben ihm Siege beim Grand Prix de Chamonix in Glaciers, beim Brévent-Chamonix und bei der Lognon-Abfahrt zu. Seine spektakulärste Leistung war ein Allzeitrekord beim Grand Prix de l’Aiguille du Midi, einem Rennen, das später eingestellt wurde, weil es als zu gefährlich galt.
Die U.S. Ski & Snowboard Hall of Fame zählt Fred zu den Rennfahrern der Vorkriegszeit, die bei großen europäischen und nordamerikanischen Wettbewerben bekannt waren. In seiner Biografie sind Veranstaltungen wie der Far West Kandahar, die Harriman Cups, die F.I.S.-Weltmeisterschaften 1939 in Kalifornien und die Silver Skis am Mount Rainier aufgeführt. Diese Kombination aus europäischer Technik und nordamerikanischer Bekanntheit verschaffte ihm die perfekte Ausgangsposition für das nächste Kapitel seines Lebens.
Fred war nicht nur schnell. Otto Lang, der einflussreiche Leiter der Skischule in Sun Valley, der später Filmemacher wurde, erinnerte sich an ihn als einen Skifahrer von ungewöhnlicher Kraft und Intelligenz. Lang schrieb, dass Fred durch tückische Kruste oder schweren Frühlingsschnee gleiten konnte, als wäre es Pulverschnee, und bezeichnete ihn als kraftvoll, mit starken Beinen, weise und gewitzt in schwierigem Gelände.
Sun Valley: Der amerikanische Anfang
Fred wanderte 1939 in die Vereinigten Staaten aus und tauchte bald in Sun Valley, Idaho, auf, damals eines der führenden Skigebiete Amerikas. Sun Valley war nicht nur ein Arbeitsplatz; es war einer der großen Treffpunkte für europäisches Skifachwissen und amerikanischen Winterambition. Dort unterrichtete Fred unter Otto Lang und arbeitete im gleichen Umfeld wie bedeutende Persönlichkeiten wie Friedl Pfeifer, der später eine zentrale Rolle in der Skigeschichte von Aspen spielen sollte.
In Amerika wurde Freds Schweizer Hintergrund zu einem Vorteil. Er kam mit einer glaubwürdigen Bergkompetenz, Rennerfahrung und der europäischen Lehrtradition an, die amerikanische Skischulen begierig aufnahmen. Doch was ihn unvergesslich machte, war nicht allein sein Stammbaum. Berichte über Fred kehren immer wieder zu seiner Herzlichkeit, seinem theatralischen Humor und seiner Fähigkeit zurück, das Skifahren weniger einschüchternd wirken zu lassen. Otto Lang schrieb, es falle ihm schwer, an ihn zu denken, „ohne ein Schmunzeln und ein warmes Gefühl“, und beschrieb seine Gabe, ernste Situationen mit einem Satz, einem Blick oder einer Geste aufzulockern.
Diese persönliche Eigenschaft ist wichtig. Das Skifahren im Amerika der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich noch immer von einer relativ elitären Beschäftigung zu einer breiteren Freizeitkultur. Um zu wachsen, brauchte es nicht nur Lifte und Hütten, sondern auch Lehrer, die Angst in Selbstvertrauen verwandeln konnten. Fred Iselin wurde einer dieser Lehrer.
Aspen: Lehrer, Showman und Wegbereiter der Skikultur

1947 zog Fred nach Aspen, Colorado, gerade als die Stadt begann, sich von einer ehemaligen Bergbaugemeinde zu einem modernen Skigebiet zu wandeln. Der Umzug erwies sich als entscheidend. Aspen hatte kurz vor Freds Ankunft den Lift 1 und die Aspen Ski School eröffnet, und er wurde bald zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Skiszene in der Gemeinde.
In den von Aspen Snowmass Shrines zitierten historischen Berichten wird er als herzlicher und begabter Lehrer, als mutiger und eleganter Skifahrer und als Mann mit einem Talent dafür beschrieben, sich Namen zu merken. Dieses letzte Detail sagt viel über ihn aus. Skikunde ist technisch, aber auch persönlich. Ein Lehrer, der sich Namen merkt, macht aus einem Kurs eine Beziehung. Freds Charisma trug dazu bei, Besucher anzuziehen, darunter auch Gäste aus Hollywood, und machte ihn zu einer festen Größe in Aspens lebhafter Après-Ski-Szene.
Eine Erinnerung aus Aspen besagt, dass er „in seinem ganzen Leben nie ernsthaft den Atem angehalten hat“. Diese Aussage sollte nicht mit Leichtfertigkeit verwechselt werden. Freds Humor war Teil seiner Lehrmethode und Teil seiner öffentlichen Kunst. Er nahm das Skifahren genau deshalb ernst, weil er wollte, dass die Leute Spaß daran haben. Sein eigener Satz fasst diese Philosophie wunderbar zusammen:
„Das schönste Gefühl beim Skifahren ist das Gefühl des Schwebens.“ — Fred Iselin, zitiert in „Aspen Snowmass Shrines“ aus Material von Heritage Aspen.
Fred bekleidete schließlich wichtige Führungspositionen in Skischulen in Aspen, Buttermilk und Aspen Highlands. Die Aspen Times veröffentlichte später eine Erinnerung von Andy Hanson, in der er argumentierte, dass Freds Tod das Ende von Aspens Ära der „herausragenden Skischulleiter“ markierte. Hanson würdigte ihn dafür, dass er starke Skilehrer aus Aspen und dem Ausland eingestellt, die Graduated Length Method für Anfänger eingeführt und durch die Entwicklung von Pisten und Liften zur Gestaltung von Aspen Highlands beigetragen hatte.
Die Bücher: Skikunde mit Witz

Fred Iselins Einfluss erreichte auch die Leser. Sein bekanntestes Buch, „Invitation to Skiing“, das er gemeinsam mit A. C. Spectorsky verfasste und das 1947 bei Simon & Schuster erschien, wurde zu einem beliebten Leitfaden für Skitechnik. Es wurde später überarbeitet und erschien als „The New Invitation to Skiing“ und „Invitation to Modern Skiing“. Google Books listet „The New Invitation to Skiing“ von Fred Iselin und Auguste C. Spectorsky als eine Veröffentlichung von Simon & Schuster aus dem Jahr 1958 auf.
Schon die Titel selbst sind aufschlussreich. Fred schrieb weder „Commandments of Skiing“ noch „The Discipline of Skiing“. Er sprach eine Einladung aus. Dieser Ton passt zu dem Mann, wie ihn seine Freunde beschrieben: technisch versiert, gelegentlich umstritten, unglaublich witzig und entschlossen, Menschen für den Sport zu begeistern. Die Aspen Hall of Fame merkt an, dass die Bücher witzig, unterhaltsam zu lesen und praktisch anzuwenden waren, „als würde Fred persönlich unterrichten“.
Ein Leben von den Bergen, zu den Bergen
Fred Iselin starb 1971 im Alter von 57 Jahren. Laut der U.S. Ski & Snowboard Hall of Fame hatte er während Dreharbeiten in den Schweizer Alpen einen schweren Sturz erlitten und starb nach langer Genesungszeit plötzlich an einer Embolie. Er wurde 1972 in die U.S. National Ski Hall of Fame gewählt und später, 1989, in die Aspen Hall of Fame aufgenommen.
In Aspen Highlands erinnern eine Gedenktafel und ein Steinhaufen in der Nähe von Cloud Nine an ihn mit den Worten: „1914–1971, Fred Iselin, Von den Bergen, zu den Bergen.“ Ein passenderes Epitaph ist kaum vorstellbar. Fred begann in den Bergen von Glarus, wo das Skifahren in der Schweiz durch die Generation seines Vaters eine organisierte Form angenommen hatte. Er trug dieses Erbe durch den europäischen Rennsport, über den Atlantik nach Sun Valley und schließlich nach Aspen, wo er nicht nur dazu beitrug, wie die Menschen Ski fuhren, sondern auch, wie sie zum Skifahren standen.
Seine Geschichte ist daher nicht nur eine amerikanische Skigeschichte und nicht nur eine Schweizer Skigeschichte. Es ist eine Glarner Geschichte. Sie zeigt, wie ein kleiner Alpenkanton dazu beitrug, einen Nationalsport ins Leben zu rufen, und wie einer seiner Söhne diesen Geist in eine andere Bergkultur trug, die Tausende von Kilometern entfernt lag. In Fred Iselin wurde der praktische Mut des frühen Schweizer Skisports zu etwas Großzügigem, Theatralischem und Ansteckendem: eine Einladung zum Schweben.



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