Netstal

464 M.ü.M.

2998 Einwohner (am 1.1.2017)

Netstal ca. 1900
Netstal 1800
Netstal Biedermann 1805
Netstal_Holzbrücke_1800
Netstal
Netstal 1900
Netstal 1907
Netstal 1915
Netstal 1910
Netstal 1920
Netstal 1922
Netstal 1925
Netstal 1930
Netstal_with_Löntschwerk_1929
Netstal 2016
Netstal Mitteldorf 1921
Netstal Bahnhof 1923
Netstal Hotel Schwert
Netstal_Stählihaus
Netstal Reformierte Kirche
Netstal Arbeiter der oberen Papierfabrik

Porträt

 

Netstal ist auf der linken Talseite besiedelt und liegt zu beiden Seiten des Löntschbachs, der aus dem Klöntal fließt. Das Dorf wird von vier Hügeln dominiert, Zeugen eines prähistorischen Untergangs des Glärnischs. Ein erstes Zeugnis der menschlichen Existenz in diesem Gebiet ist durch eine schroffe Pfeilspitze dokumentiert, die auf die Jungsteinzeit (6000 bis 1800 v. Chr.) zurückgeführt werden kann.

 

Netstal wird 1289 zum ersten Mal erwähnt. Es kann nicht nachgewiesen werden, ob sich der heutige Dorfname aus der Bedeutung "Stall des Bauernnetzes", dem althochdeutschen Wort "Netz" (mit der Bedeutung Quelle) oder anderer Herkunft ableiten lässt. "Netzstal" war anfangs nur der Weiler, dessen wenige Häuser sich um einen der Erdrutschhügel drängten. Die Festung am oberen Bühl, früher wohl Sitz der Herren von Netstal, wurde um 1300 aufgegeben. Auf den 25 m hohen Bürglen befinden sich Reste einer mittelalterlichen Zufluchtsstätte, die spätestens um 1350 verlassen wurde.

 

Bis ins 16. Jahrhundert hinein umfasste der Tagwen Netstal Siedlungen wie Leuzingen, Löntschen und einen Teil der verschwundenen Tagwen Turserron. Bis Ende 1900 gehörte das Klöntal zu Netstal.

 

Seit der Antike gehörte Netstal zur Glarner Kirche. 1421 gründete einer der reichsten Eidgenossen seiner Zeit, der alte Landammann Mathias Netstaler, eine Kapelle. Noch heute erinnert das Wappen von Netstal an das der ehemaligen Netstaler Familie, doch heute befinden sich dort drei Sterne, die die drei der Gemeinde angeschlossenen Weiler symbolisieren. Erst 1777 wurde Netstal zu einer eigenständigen Gemeinde und gehörte nicht mehr zu Glarus und 1876 wurde Netstal zu einer eigenständigen katholischen Kirchengemeinde erhoben. Die heutige katholische Kirche wurde 1935 eingeweiht. 1697 wurde an der Stelle des heutigen Friedhofs eine erste protestantische Kirche errichtet. Zwischen 1810 und 1813 wurde die heutige evangelische Kirche von der Gläubigen in Fronarbeit erbaut. Zwischen 1624 und 1837 traf sich die katholische Landsgemeinde 77 Mal in Erlen, an der Grenze zu Näfels, und der katholische Rat von Glarus traf sich bis 1742 im noch bestehenden Gästehaus "Raben", dann bis 1798 im heutigen Gästehaus "Zum alten Rathaus". Auffallend ist auch das 1728 erbaute "Stählihaus", eines der wenigen Fachwerkhäuser des Kantons. 

 

Im 16. Jahrhundert lebten etwa 500 Seelen in Netstal. Durch das Auftreten der Pest in den Jahren 1611 und 1629 wurde die Bevölkerung stark dezimiert. Preissteigerung und Hungersnot zwangen die Netstaler, in ausländischen Armeen zu dienen und in die ganze Welt auszuwandern. Zumindest die Wasserkraft begünstigte die Entstehung des Handels im 16. Jahrhundert. 1548 wird die erste Mühle und 1651 die erste Zigermühle (Zigerkäseproduktion) dokumentiert. Heinrich Weber-Walcher (1654-1722) war der erste, der eine Papierfabrik am unteren Dorfbach betrieb. Zu dieser Zeit wurde zunehmend das Brenn- und Bauholz aus dem Klöntal gehandelt. In den Sommermonaten arbeiteten Nestler als Watteproduzenten in Frankreich. Diese Tätigkeit führte zu Hause zu einem umfangreichen Strohhuthandel.

Während der Zeit der Helvetischen Republik war Netstal dem Landkreis Glarus zugeordnet. Durch kriegerische Ereignisse in den Jahren 1798/1799 erlitt das Dorf große Schäden. Eine russische Kanonenkugel sowie die Inschrift "1799" im Restaurant "Sternen" erinnern an die heftigen Kämpfe zwischen Franzosen und Russen in und um Netstal.

 

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert fand vor allem im Textilsektor statt. 1856 wurde die heutige Netstal Maschinen AG mit Sitz in Näfels gegründet und 1859 wurde Netstal an das Schienennetz angeschlossen. Zwischen 1820 und 1875 wanderten viele Netstaler Fachkräfte, insbesondere Käser, nach Russland aus.

 

Um das zwanzigste Jahrhundert herum gab es noch die heute bestehenden Fabriken für Papier-, Metall- und Kunststoffwaren ("A. & J. Stöckli AG", seit 1878), für Kalk ("Chalchi / Kalkfabrik Netstal AG", seit 1900) und Getriebe ("Sauter, Bachmann AG", seit 1922). Viele Herstellervillen sind Zeugen dieser Entwicklung. Zwischen 1799 und 1870 hat sich die Bevölkerung von Netstal fast verdoppelt (Anstieg von 1'350 auf 2'600 Personen). Ein Museum dokumentiert (seit 1981) den Bau des Löntschwerks (1905-1908) mit dem Damm im Klöntal. Von 1862 bis zu seiner Fertigstellung wurde dort Eis in großem Umfang abgebaut.

 

Bereits 1725 wurde in einem Bauernhaus erstmals ein Schulraum eingerichtet und 1737 der erste Schulmeister gewählt. Am 6. Juni 1877 weihten die Netstaler ein lokales Schulgebäude ein, das 1936 eine Sekundarschule und 1959 eine Grundschule erhielt. Seit 1867 gibt es auch einen Kindergarten.

 

Am 15. Dezember 1941 gab es unterhalb von Netstal eine Minenräumung, bei der vier Männer aus dem Stab des Infanteriebataillons 85 ums Leben kamen. An diese Tragödie erinnert eine Gedenkstätte, an der jedes Jahr während der Näfelser Fahrt eine Glarner Ehrenkompanie einen Kranz niederlegt.

 

Der legendäre Glarner Schlachtenführer bei Näfels, Mathias Ambühl, ist in einen Tisch im "Ambühlhaus" verewigt. Unweit davon brannte 1952 das Netstaler Casino. Anstelle einer Textilfabrik, die erst Ende der 70er Jahre entstand, wurde 1995 ein Geschäfts- und Einkaufszentrum eröffnet.

Die barocke Kirche von Netstal

(gebaut 1811-1813)

Innenansicht der Netstaler Kirche mit der Orgel

Die evangelische Kirche von Netstal mit dem Friedhof

(die erste Kirche von Netstal wurde 1697 auf dem Platz des heutigen Friedhofs erbaut)

Die katholische Kirche von Netstal

(erbaut 1933-1934 von Otto Linder)

Innenansicht der katholischen Kirche von Netstal

Familien aus Netstal

Brunner

Egger

Freuler

Gallati

Hentsch

Horner

Hösli

Kubli

Leuzinger

Michel

Pabst

Schmuckli

Schuler

Sigrist

Spälti

Stauffacher

Stähli

Weber

Zweifel

 

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