JENNY

Jenny Familienwappen (Wappenbuch Glarus)
Jenny III ist das gebräuchliche Wappen
Jenny Familienwappen
(Wappenbuch Samuel Wild)

Vorkommen in Glarus

Ennenda / Mitlödi / Niederurnen / Schwanden / Sool

Über die Familie Jenny

Die Familie Jenny, die zweimal einen Landammann (Regierungschef) und vier Bundesparlamentarier stellte, hat bei der Entwicklung der Wirtschaft in Glarus eine wichtige Rolle gespielt.

 

Der Familienname, der sich aus dem Vornamen Johannes zusammensetzte, kam an verschiedenen Orten in Glarus vor. Wir finden Jenny's bereits im 15. Jahrhundert im Sernftal und dann auch in Haslen. Die überwiegende Mehrheit der heutigen Jenny-Familien, vor allem aus Ennenda, stammt vom Ratsmitglied Heinrich Jenny ab, der aus dem Raum Bern nach Ennenda ausgewandert ist. Er vertrat Glarus von 1477 bis 1499 auf so genannten Tagsatzungen (Bundesverhandlungen). Sein Sohn Peter war 1522 Landweibel und 1530 Landvogt in Mendrisio, wo er im Amt starb.

Die Jenny Familien aus Ennenda

 

Laut Kubly-Müller gibt es acht verschiedene Linien, die dem oben genannten Vorfahren zugeordnet werden. Der Stammvater der ersten Linie, die vor allem in Handel und Industrie bekannt wurde, war Kaspar Jenny (1585-1660). Während sein Sohn Wolfgang (1636-1721) sein Leben als Stadtrat, Baumeister und Gerichtsvollzieher der Öffentlichkeit widmete, gründete Sohn Balthasar (1614-1697) zusammen mit seinen zahlreichen Söhnen eine Tischlerdynastie, die ihre Produkte auch im Ausland absetzte. Als dieses Geschäft leicht zurückging, begannen zwei Urenkel von Balthasar, Johann Rudolf (1724-1790) und sein Bruder Gabriel (1726-1766), ein Textilunternehmen aufzubauen. Sie gründeten zusammen mit einem Schwager die so genannte Wienerhandlung, die sich vor allem mit dem Export von Leinen und Baumwolltüchern in die österreichischen Kronländer, nach Polen und Russland befasste. Später bauten sie auch Textilfabriken. Ein Sohn von Johann Rudolf erhielt 1815 die österreichische Staatsbürgerschaft und wurde in den Adelsstand erhoben. Andere aus dieser Familie Jenny haben sich für eine Offizierslaufbahn entschieden. Die Nachkommen von Gabriel widmeten sich akademischen Berufen oder dem öffentlichen Dienst. Andere wanderten nach Riga, Sankt Petersburg oder Südrussland aus. Ein weiterer Urenkel von Balthasar, Kaspar (1725-1804), betrieb einen Handel mit Getreide, das er aus Italien importierte. Sein Sohn Salomon (1757-1822) gründete eine Import- und Exportfirma für Getreidehandel, Manufakturen und Geldverkehr mit Sitz in Triest und sein Sohn unter dem Namen Jenny und Schindler Industriebetriebe in Vorarlberg/Österreich. Andere Nachkommen von Balthasar hatten hauptsächlich militärische Funktionen. Urenkel Conrad (1706-1760) diente als Oberbefehlshaber im niederländischen Militärdienst. Später wurde er Landvogt in Locarno. Sein Enkel Fridolin (1772-1826), der zunächst auch als Leutnant in Holland tätig war, wandte sich wieder dem Handel und der Industrie zu. Er gründete die Firma Jenny & Cie. mit einer Textildruckerei in Ennetbühls, aus der später die Kartonfabrik hervorging. 1856 errichtete das Unternehmen in Mollis eine Spinnerei und Weberei, und Nachkommen nahmen auch an Fabrikanlagen in Vorarlberg/Österreich teil. Schließlich haben sich viele Familienmitglieder ihren Lebensunterhalt als Handwerker und Geschäftsleute verdient und sind in verschiedenen kommunalen Funktionen tätig.

Namhafte Geschäftsleute und Hersteller sind auch aus der zweiten Jenny-Linie hervorgegangen. Die Linie geht auf Rudolf (um 1570-1651) zurück, der 1589 im Gewehrrodel (einem Waffenregister) erscheint und mit vielen Liegenschaften in Ennetbergen reich war. Im 18. Jahrhundert wandten sich die Nachkommen Rudolfs zunächst der Watteproduktion zu und verfügten dann über eine ständige Handelsniederlassung in Bordeaux. In größerem Umfang gründete Daniel (1751-1834) zusammen mit anderen Händlern aus Glarus ein Unternehmen. Das war die so genannte "Deutschländerhandlung Jenny und Streiff", die sich mit allen möglichen Dingen beschäftigte, vom Handwerk bis zum Schabziger (spezieller grüner Käse aus Glarus), hauptsächlich in Deutschland. Ein Neffe von Daniel, Bartholome (1770-1836), wandte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem Textilhandel und der Textilfabrik zu. Zusammen mit seinen Brüdern gründete er 1808 die Firma Bartholome Jenny & Cie. und handelte vor allem mit Italien. Durch die Fusion der Jenny Weberei mit der Firma Gebrüder Trümpy und die anschließende Gründung einer Textildruckerei war das Unternehmen in kürzester Zeit eines der führenden Industrie- und Handelshäuser. Diese Basis wurde durch den Bau einer großen mechanischen Spinn- und Weberei in Haslen erweitert. Heute heißt das Unternehmen Daniel Jenny & Cie. Ein weiteres Fabrikations- und Handelsunternehmen geht auf Fridolin Jenny-Heer (1784-1857) zurück, einen Bruder von Bartholome. Nachdem Fridolin seine eigene Handelsfirma gegründet hatte, schloss er sich mit dem in Lugano tätigen Bündner David Enderlin zusammen und baute 1836 eine große mechanische Baumwollspinnerei in Ziegelbrücke, an die einige Jahre später ein Unternehmen in Niederurnen angeschlossen wurde. 1868 bauten die Söhne eine weitere Weberei in Triesen (Liechtenstein). 1880 wurden die Enderlins ausgekauft, und Sohn Caspar (1819-1894) übernahm die Leitung des Unternehmens, das heute Fritz und Caspar Jenny heißt. Von dieser zweiten Linie aus leistete Landammann Kaspar (1812-1860) hervorragende Dienste für Glarus. Er trat 1842 aus der Firma Bartholome Jenny aus, wurde Mitglied der Standeskommission und führte von 1848 bis 1857 das Landesschwert. Als erster Nationalrat von Glarus vertrat er den Kanton im Nationalrat von Bern. Der Industrielle Daniel (1814-1895) war zehn Jahre lang Mitglied der Standeskommission. Adolf (1855-1941), Partner der Firma Daniel Jenny & Cie., hat sich vor allem durch seine historischen Studien verdient gemacht. Er schrieb unter anderem das Buch Handel und Industrie des Kantons Glarus sowie die dreibändige Geschichte von Glarus in Daten (Glarus in Daten) und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich. Sein Sohn Daniel Jakob (1886-1970) hinterließ eine wertvolle Sammlung von Holzschnitten. Andere Mitglieder dieser zweiten Linie waren als Handwerker, Bauern und Tagelöhner tätig. Mehrere ließen sich in Glarus nieder. Einige davon waren in verschiedenen kommunalen Funktionen tätig. Jacob (1897-1985) setzte sich für die Einrichtung einer Kantonsschule ein und war deren erster Schulmeister.

Die dritte Linie wird laut Kubly-Müller direkt Landammann Heinrich Jenny (um 1490-1555) zugeordnet. Diese Linie delegierte mehrere Ratsherren (Ratsmitglieder) und Tagwenvögte. Einige arbeiteten als Tischhändler. Fridolin (1716-1794) machte ein großes Vermögen mit dem Betrieb einer weit verbreiteten Baumwoll-Handspinnerei. Er profilierte sich als Förderer der Kirche in Ennenda und diente als Schatz- und Kirchenvogt. Seine Enkel gründeten Jenny Jeune in Bordeaux, die sich mit Strohhüten beschäftigte. Daniel (1789-1860), ein weiteres Mitglied dieser Linie, baute 1821/22 am Dorfbach eine mechanische Baumwollspinnerei, die er 1843/44 in einer sogenannten Yasmas- oder Türkischkappendruckerei umbaute. Im 18. Jahrhundert ließen sich Mitglieder dieser Linie in Glarus nieder.

 

Nur wenige Mitglieder der vierten bis achten Linie traten in der Öffentlichkeit auf. Jakob (1844-1915) betrieb von der vierten Linie aus südlich der Linthbrücke in Ennenda ab 1867 ein Unternehmen zur Verarbeitung von Baumwollabfällen. Johannes (geb. 1879) war als Ingenieur und Oberst des Ingenieurkorps (fünfte Linie) bekannt und Jakob (Jacques, geb. 1910) der sechsten Linie machte sich als Generaldirektor der Zürcher Kantonalbank und Credit Suissse sowie als Kommandant des Gebirgsinfanterieregiments 35 einen Namen. Hans (1573-1666), der Stammvater der achten Linie, ließ sich in Mitlödi nieder, wo er als Ratsherr und Tagwenvogt gewählt wurde. Ein Urenkel von Hans wanderte nach Niederurnen aus und wurde dort zum Stammvater der lokalen Jennys. Zu ihnen gehören auch der Regierungsrat und der Gemeindepräsident Heinrich (1876-1935). Diese achte Linie umfasst auch die Jennys, die den Soolerbogen in Glarus führten (Oberst Jakob 1872-1949).

Die Jenny Familien von Sool und Schwanden

Laut Kubly-Müller gehören neben den acht Linien von Ennenda wahrscheinlich auch die meisten Jennys von Sool zur Berner Familie, obwohl dort bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Träger dieses Namens gefunden werden. Mehrere Politiker und viele Hersteller und Geschäftsleute stammen ebenfalls aus diesen Linien. Ein Teil von ihnen ließ sich in Schwanden nieder. Peter (1567-1622), der Ende des 16. Jahrhunderts in den Gewehrrödeln erscheint, gilt als Stammvater der Sooler- und Schwanderlinien. Sein Sohn Hans (1599-1676) diente als Ratsherr, Richter und Kirchmeier (Kirchenverwalter) in Schwanden. Andere Familienmitglieder hatten ähnliche Ämter inne. Die Brüder Felix (1769-1854) und Johannes (1778-1855) gründeten in Sool eine Handweberei sowie ein Fergger-Unternehmen (die Fergger arbeitete hauptsächlich im Auftrag von Textilhändlern als Bindeglied zwischen Handel und Handwerk) und schlossen sich um 1800 der Firma von Schwager Peter Blumer, später P. Blumer und Jenny mit Sitz in Ancona/Italien an. Damit verbunden waren die Textildruckerei von Jenny und Blumer in der Schwandener Fabrik sowie die mechanische Spinn- und Weberei Gebrüder Jenny in Luchsingen. Die Nachkommen führten diese Unternehmen dann weiter. Mitglieder dieser Familie übernahmen auch die Weberei Sernftal und gründeten eine Seidenfabrik in Stäfa / Zürich. Einige der Jennys von Sool waren auch prominente Politiker. Peter der Ältere (1800-1874), der eine Handelsfirma in Manila gründete, war Mitglied der Standeskommission, war Mitglied des Berufungsgerichts, leitete die kantonale Schulkommission und trat 1859 in den Nationalrat ein. Unter seiner Führung war der Landesplattenberg (Schieferbergwerk in Engi) in den 1830er Jahren zu einem florierenden Unternehmen geworden. Sein Namensvetter, genannt der "Jüngere" (1824-1879), gehörte zu den fortschrittlichen Politikern. Er saß auch in der Staatskommission und war 1866 Nachfolger des Namensgebers im Nationalrat. Von 1875 bis 1877 vertrat er den Kanton im Ständerat. In seinen jüngeren Jahren war er als Konsul in Manila tätig.

Quellen

 

Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 4, p 399

Schweizerisches Geschlechterbuch, Band 7, p 292-303; 793-823; 955

Stucki Fritz, 50 alte Glarner Familien, p 45-49

Tschudi-Schümperlin Ida / Winteler Jakob, Wappenbuch des Landes Glarus, p 44

 

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