Die Auswanderung nach Norwegen
 

Ott Peter 1794 Sons
Wild Johann Heinrich 1820
Wild Markus 1839
Wild Markus 1824
Wild Kaspar 1790
Heftye Thomas Johannessen 1767
Ott Fredik Adam 1826 Bürgermeister Farsund 1870
Heftye Thomas Johannesen 1822_2
Heftye Johannes Thomassen 1792
Heftye Henrik Thomassen 1804
Heftye Thomas Thomassen 1860
Christiania Oslo 1895
Christiania Oslo 1650
Königreich Norwegen 1809
Christiania Oslo 1910
Farsund Harbour
Wild Markus 1824 Myren House

Vor über hundert Jahren war Norwegen gleich wie die Schweiz ein Auswanderungsland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten laut Schätzungen bereits eine Million Norweger ihre skandinavische Heimat in Richtung Vereinigte Staaten von Amerika verlassen. Wie in der Schweiz waren der Wunsch nach dem Erwerb fruchtbaren Agrarlandes und eine aktive amerikanische Anwerbung von Einwanderern entscheidende Migrationsfaktoren. 

Eine eigentliche Einwanderung von Schweizern nach Norwegen hat nie in einem solchen Ausmass stattgefunden, wie das beispielsweise für die Auswanderung nach Nordamerika der Fall war. Doch trotz der wirtschaftlich angespannten Lage in Norwegen, zog das Land geschäftstüchtige Kaufleute aus Glarus an. Es waren stets einzelne Schweizer, vor allem Glarner, die nach Norwegen kamen, dort das Recht erwarben, einen Beruf auszuüben, eine Familie gründeten und so zu Stammväter von Familien wurden, die in Norwegen eine gewisse Bedeutung erlangten und noch heute zahlreiche Nachkommen haben. 

 

Glarner Kaufleute reisten zu Beginn während vielen Jahren zwischen Glarus und Norwegen hin und her und brachten erst später ihre Familien mit, um sich in Norwegen niederzulassen. Melchior Tschudi beispielsweise erhielt das norwegische Handelsprivileg in Kristiania (heute Oslo) bereits 1811, verkaufte aber sein Haus in Schwanden erst 1835. Die ersten Kaufleute, die von Glarus nach Norwegen kamen, waren Hans Jakob Trümpy (1724-1792) und Adam Blumer, die beide um 1758 das Bürgerrecht in Bergen erhielten. Etwa zur gleichen Zeit kam auch der Kaufmann Johannes Hefti (1730-1801) aus Hätzingen nach Tønsberg und erhielt dort das Bürgerrecht. Allen diesen Einwanderer aus Glarus war gemein, dass sie aus vermögenden Handelsfamilien stammten und über entsprechende Handelskenntnisse verfügten. Export war für sie nichts Neues. Auch sprachlich gab es Gemeinsamkeiten. Plattdeutsch war neben Dänisch die Sprache, die das Norwegisch am stärksten beeinflusste. Niederdeutsch war ein Begriff für die westgermanische Sprache, der hauptsächlich in Norddeutschland und den Niederlanden verwendet wurde. Niederdeutsch hat die Entwicklung der skandinavischen Sprachen sehr stark beeinflusst und schätzungsweise 40% des norwegischen Wortschatzes sind niederdeutschen Ursprungs. Es besteht daher Grund zu der Annahme, dass die ersten eingewanderten Glarner keine Probleme hatten, mit Norwegern zu kommunizieren, da sie Händler mit Erfahrung im Handel mit Deutschland und den Niederlanden waren.

 

Die nachfolgenden Glarner Handelshäuser und Kaufleute konnte ich in Norwegen finden:

 

 

Friedrich Ott(o) & Søn in Farsund

 

Wahrscheinlich veranlasst durch die mit ihm nahe verwandten Holzhändler mit Handelsniederlassungen in Amsterdam Esajas Blumer (1668-1718) und Kaspar Wild (1685-1750) aus Schwanden, begab sich im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts Hauptmann Melchior Ott (1686-1779) aus Nidfurn nach Horsens in Jütland und begann dort ein kleines Geschäft mit verschiedenen Glarner-Artikeln, sowie auch mit Baumwolltüchern. Später dehnte er mit seinen Söhnen Adam Ott (1717-1771), Balthasar Ott (1720-1757) und Samuel Ott (1730-1802) den Handel nach Norwegen aus, wo Balthasar auch 1757 in Bergen starb.

 

Fridolin (Friedrich) Ott (1749-1817), ein Sohn Adams, begann seine Karriere in Farsund, an der Westküste Norwegens und betrieb unter der Firma Friedrich Otto & Søn ein Kolonial- und Textilgeschäft. Sein Sohn Peter Ott (1794-1844), ebenfalls Kaufmann in Farsund, wurde Dänischer Konsul. Sein Enkel Lars Olav (1881-1960) wanderte nach Amerika aus, wo heute noch Nachkommen leben. 1845 wurde in Farsund eine kleine Gerberei gegründet, in welcher ein Enkel von Friedrich Ott, Fredrik Adam Ott (1826-1909)Betriebsleiter war. Frederik Adam hatte eine kaufmännische Ausbildung in Zürich genossen und übernahm von seinem Vater Adam Ott (1796-1826) die Firma Friedrich Ott & Sohn. Da die Ott's über ausreichende finanzielle Mittel verfügten, konnten sie zahlreiche Landgüter der Familie Lunde aufkaufen und so ihren Grundbesitz erweitern. 1853 baute Fredrik Adam Ott(o) in Kirkegaten 44b ein Haus im Schweizer Stil. Ganz im Unterschied zu den damals üblichen Wohnverhältnissen muss dies ein stattliches Haus mit 12 Zimmern und Küche gewesen sein, das auf drei Etagen mit einer Fläche von 200 Quadratmetern errichtet wurde.  Das Haus entging nur knapp dem Stadtbrand von 1901, geschützt durch einen Garten voller Obstbäume. Frederik Adam betrieb mehrere Schiffe, einem davon gab er den Namen "Wilhelm Tell".  Seine Mutter war eine Tochter des bekannten Kanzlers und Richters Søren Godfried Bøckman. 1870 wurde Fredrik Adam für ein Jahr als Bürgermeister der Stadt Farsund gewählt und bekleidete auch das Amt eines Vizekonsul der Hanse. Er lebte in Farsund bis 1873, bevor er nach Kristiania (Oslo) übersiedelte, wo er bis zu seinem Tod 1909 lebte. Frederik interessierte sich stark für Literatur und veröffentliche auch als Autor mehrere Werke zur Kulturgeschichte und Belletristik. Noch heute leben Nachkommen in Norwegen.

 

 

Samuel Otto & Co. in Kristiansand

 

Ein anderer Sohn von Adam Ott, Samuel Ott(o) (1730-1802) liess sich in Kristiansand nieder und gründete dort 1769 die Firma Samuel Otto & Co., die später an die Verwandten Luchsinger und Blumer aus Schwanden und 1839 an die Familie Wild von Mitlödi überging. 

 

Bei einer Auktion im Jahr 1823 erwarb die Firma Samuel Otto & Co. die Grundstücke von Georg Just Moe auf der Westseite von Kristiansand. Zu dieser Zeit war das Unternehmen bereits gut in Kristiansand etabliert. Im Jahr 1750 kaufte Samuel Ott das Haus an der Ecke Holbergstrasse und Tolibodstrasse (Zollamtstrasse), wo sich in den Jahren 1870-90 die Bäckerei Birkrems befand. Hier betrieb er ein Ladengeschäft, offenbar mit Trockenwaren als Spezialität. Ende der 1760er trat Melchior Ott in die Firma ein. Sie müssen einen guten Start gehabt haben: Christen Pram berichtet 1805, dass Samuel Otto & Co einen beträchtlichen Handel mit Trockenwaren betrieben und 10.000 "Riksdaler" (Reichstaler) besassen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zog die Firma an die Ecke Markensstrasse und Østre Strandgate (Oststrandstrasse), wo sie auch Strandgrundstücke aufkaufte. Ende 1799 trat noch ein drittes Mitglied der Familie Ott in die Firma ein, nämlich Hans Jacob Ott(o) (1768-1808). Er heiratete 1799 Elsbeth Blumer (1777-1808). Beide und ihr sechsjähriges Kind starben 1808 im Abstand von nur wenigen Monaten. Elsbeth Blumers Bruder Samuel Blumer (1767-1819) war zu dieser Zeit in die Firma eingetreten und war einer der Associés der Firma. Samuel Blumer war eine Zeit lang Zivilkapitän in Kristiansand. Später schied er aus der Firma aus, behielt aber noch eine Zeit lang das Anwesen in Østre Standgate. Er verkaufte seinen Anteil an der Firma an Kaspar Wild (1790-1855) und zog dann mit seinen vier Töchtern in die Schweiz. Eine von ihnen, Barbara Blumer (183-1878), heiratete den Ratsherrn Johannes Speich (1813-1852). Einer ihrer Söhne war Samuel Speich (1839-1878), der 1856 zusammen mit Max Wild Jr. nach Kristiansand kam. Eine Zeit lang arbeitete er in der Firma, aber später rief ihn die See und er wurde Kapitän. Die heutige Familie Speich in Kristiansand sind seine Nachkommen. Viele Leute haben Samuel Blumer mit dem späteren Kaufmann in Kristiansand Melchior Blumer (1878-1958) verwechselt. Es besteht aber keine familiäre Verbindung zwischen den beiden. Die Verwechslung rührt wahrscheinlich daher, dass Melchior Blumer eine Zeit lang im Büro von Samuel Ott & Co. arbeitete. Bevor wir auf die späteren Besitzer der Firma, die Familie Wild, eingehen, muss ich einen weiteren Glarner erwähnen, der einige Jahre lang mit der Firma verbunden war. Das war Rudolf Luchsinger (1782-1848), der um das Jahr 1800 als junger Mann nach Kristiansand kam und in der Firma als Gehilfe für Hans Jacob Ott arbeitete. Später wurde er einer der Leiter der Firma. Im Jahre 1821 wurde Luchsinger zum Parlamentsabgeordneten in Chritiansand gewählt, konnte aber wegen Krankheit nicht an den Sitzungen teilnehmen.

 

 

Samuel Otto & Co unter Kaspar Wild (1790-1855)

 

Wie zuvor erwähnt, kaufte Kaspar Wild Ende der 1820er Jahre Samuel Blumer's Anteil an der Firma Samuel Otto & Co. und wurde 1839, als Luchsinger in den Ruhestand ging, Alleininhaber. Kaspar Wild wurde 1790 in Mitlödi geboren und kam 1810 nach Kristiansand. Er leitete die Firma erfolgreich. Sein Geschäft florierte, und zu diesem Zeitpunkt handelte er nicht nur mit Trockenwaren, sondern auch mit Lebensmitteln, vielleicht zum grössten Teil mit Getreide und Mehl. Soweit sich feststellen lässt, wurde die Firma noch in den 1830er Jahren als Ladengeschäft geführt. Der Getreidehandel wurde bis 1855 fortgesetzt, aber der wichtigste Teil der Firma entwickelte sich hin zum Holzhandel, zur Schifffahrt und zum Schiffsbau. Im Jahr 1833 kaufte die Firma Vigelands Brug, wo 1840 ein grosses Sägewerk gebaut wurde. Die Memoiren von Frau Othilie Speich enthalten einige interessante Kommentare über Kaspar Wild, seinen Haushalt und sein Geschäft. Ihr Vater, Sven Stray Speich, begann als junger Mann um 1827 als Volontär in der Firma. Mehrere Jahre lang erhielt er kein Gehalt. Wilds gebrauchte Kleidung wurde auf ihn zugeschnitten, und nur ab und zu erhielt er auch neue Kleidungsstücke. Er ass mit den anderen Büroangestellten an Wilds Tisch. Der jüngste der Gehilfen musste jeden Morgen um 6.30 Uhr an der Arbeit sein, Holz hereintragen und in die grossen Öfen in Betrieb nehmen. Aber Sven stand gerne noch früher auf und brachte den Wächter der Mühle dazu, jeden Morgen um vier Uhr an einem Seil zu ziehen, das aus seinem Fenster hing. Das andere Ende des Seils war an sein Handgelenk gebunden. In gewisser Weise war Kaspar Wild ein schroffer Mensch. Aber das war nur eine Fassade - dahinter steckte ein guter und herzlicher Mensch. Wenn er seine Verwandten in der Schweiz besuchte, brachte er immer viele schöne und nützliche Dinge mit. Als Sven bereits während zwei Jahren verlobt war, sagte Kaspar Wild eines Tages zu ihm: "Ich mag keine langen Verlobungen. Es wird Zeit, dass du heiratest. Du kannst Möbel bestellen, aber sie müssen von guter Qualität sein." Ausserdem gab er Stray eine Gehaltserhöhung. 1852 verliess Kaspar Wild seine Firmen und überliess sie seinem Halbbruder Konsul Johann Heinrich Wild (1820-1873) und seinem Neffen Markus Wild (1839-1898), das jüngste Kind seines Bruders Samuel wild (1795-1871). Diese beiden jungen Männer arbeiteten schon lange zuvor in der Firma mit. Kaspar Wild behielt das Gut Vigeland für sich. Er blühte dort auf und baute auf dem Grundstück ein neues Haus. Auch in seinem Heimatort Mitlödi hatte er sich ein schönes Haus gebaut. Es war seine Absicht, die Sommer auf Vigeland und die Winter in Mitlödi zu verbringen. Bevor er Kristiansand verliess, gründete er ein Vermächtnis für Bedürftige. Ausserdem schenkte er allen seinen Angestellten und Bediensteten grosse Geldsummen. Als er in die Schweiz zurückkehrte und weit von seiner gewohnten Umgebung in Kristiansand entfernt war, wurde er bald träge und starb 64jährig in Mitlödi. Johann Heinrich Wild wurde 1820 in Mitlödi geboren. Er kam früh nach Kristiansand und begann als leitender Angestellter in der Firma Samuel Otto & Co, deren Leiter sein Halbbruder Kaspar Wild war. Wie bereits erwähnt, übernahm er 1852 die Firma zusammen mit Markus Wild. Die Geschäfte liefen wie gewohnt weiter, aber es sieht so aus, als ob der Handelsverkehr eingestellt wurde und sich alles Interesse auf die Sägewerkstätigkeit, die Reederei und die Werften richtete. Es gab eine Zeit mit recht reger Aktivität im Schiffsbau, wie wir später noch sehe werden. 1855 kaufte die Firma das Grundstück Vigeland von Kaspar Wilds Nachlass zurück. 1846 heiratete Johann Heinrich Wild eine Dame aus Kristiansand, Mathilde Bennecke (1822-1861). Sie war die Tochter des Kaufmanns Steen Andreas Bennecke. Sie wohnten, solange Kaspar Wild in Norwegen war, in dem alten, grauen Haus über dem Büro. Später zogen sie in das Eckhaus, in dem in den 1880-90er Jahren Fräulein Sønderaais Schule war. Sie waren sehr glücklich, obwohl sie keine Kinder hatten und Mathilde sehr kränklich war. Etwa 15 Jahre nach ihrer Heirat musste sie nach Modum und wurde von dort ins Reichshospital gebracht, wo sie im September 1861 starb. Nur ein paar Jahre konnte sie das schöne Gut Myrengad geniessen, welches ihr Gatte hauptsächlich ihr zuliebe gekauft hatte und auf welchem er ein schönes Haus mit einem schönen Park errichten liess. Konsul Johann Heinrich Wild heiratete zwei Jahre später ein zweites Mal, Anna Rosina Ott (1838-1928), Tochter von Peter Ott (1794-1844) aus Farsund. Sie war somit eine Nachfahrin der Gründer der Firma Samuel Otto & Co. Anna und Johann Heinrich Wild bekamen eine Tochter, aber nur fünf Jahre später Johann Heinrich 1873 in Kristiansand. Die Witwe blieb in Kristiansand, heiratete vier Jahre später dort den aus Göteborg stammenden Carl Friedländer (1827-1902) und zog nach Schweden. Johann Heinrich Wild war ein warmherziger und edler Mensch. Er war der Leiter der Firma, der die Firma hauptsächlich nach aussen hin repräsentierte. Er folgte dem Beispiel seines Halbbruders, indem auch er ein Vermächtnis an den Fonds der "Freunde der Alten und Einsamen" machte. Die gemeinsame Tochter Anna Friederika (1868-) heirate 1891 in Stockholm Carl August Magnus Toren und hatte drei Söhne mit ihm.

 

 

Samuel Otto & Co unter Markus Wild Senior (1824-1903)

 

Der zweite Direktor der Firma in den Jahren 1850-70 war Markus Wild (1824-1903). Wie erwähnt, hatte er bereits einige Jahre in der Firma gearbeitet, als er 1852 zusammen mit Johann Heinrich Wild die verschiedenen Firmen in Norwegen übernahm. Nach dem Tod von Johann Heinrich Wild 1873 wurde er Alleininhaber. Zur gleichen Zeit wurde er niederländischer Konsul. Marcus Wild war mit seiner Cousine Sibilla Wild (1831-1895) verheiratet. Zu ihrem grossen Leidwesen, hatten sie keine eigene Kinder. Sie liebten beide Kinder und nahmen mehrere elternlose Waisenkinder bei sich auf. Sie unterstützten auch Universitätsstudenten. Alles in allem waren sie sehr hilfsbreit, sowohl zu ihren Familien als auch zu denen, die dringende Hilfe brauchten. Zusammen mit einigen anderen Frauen gründete Sibilla Wild eine Kunstgewerbeschule in Kristiansand. Zuvor gab es dort für Kinder kaum Möglichkeiten, ein Handwerk zu erlernen. 1872 überliessen Wild und seine Frau der Schule das Haus in der Vestre Strandgate 26 und 1877 schenkten sie ihr Anwesen der Schule. 1877 war Frau Wild auch an der Gründung eines Kinderheims beteiligt, welches 1882 das Haus in Skippergaten als Geschenk von Konsul Wild erhielt. Sibilla Wild war auch die treibende Kraft bei der Gründung des Industrievereins für bedürftige Frauen. Aus ihrer Heimat war sie es gewohnt, hart zu arbeiten und Selbsthilfe zur Tugend zu machen, und so war es ihr erklärtes Ziel, andere zur Selbstständigkeit zu erziehen. Darüber hinaus war sie auch eine begnadete Gärtnerin und interessierte sich sehr für den grossen Garten in Myren. Das Ehepaar Wild liebte grosse Einladungen. Sie gaben sowohl für Erwachsene als auch für Kinder schöne Feste und organisierten oft Ausflüge nach Vigeland. Im Jahre 1868 brachte Markus Wild die in Norwegen bereits bekannten Skier erstmals nach Glarus, so dass man mit Fug sagen darf, Glarus sei der Geburtsort des alpinen Skisports. Wild vergass sein Heimatdorf nie. Als es 1877 galt, den Helm des Kirchturms neu einzudecken, kaufte er norwegisches Kupfer und schenkte es der Kirchgemeinde. 1882 übertrug Markus Wild Senior aus gesundheitlichen Gründen die Firma an seinen Schwager und Cousin Markus Wild Junior (1839-1898). Er litt an Bronchitis und Schwindelgefühlen. Er behielt das Haus in der Stadt und Vigeland, und Markus Wild Junior übernahm alle anderen Immobilien. Frau Sibilla blühte in Norwegen auf, aber wegen ihres Mannes willigte sie ein, in die Schweiz zurückzukehren. Sie war auch davon überzeugt, dass ihr jüngerer Bruder das Recht hatte, die Leitung der Firma zu übernehmen. Bevor sie abreisten, überreichte Konsul Markus Wild Senior allen Mitarbeitern in seiner Firma und auf den Gütern sowie seinen Hausangestellten grosse Geldsummen. Er liess sich in Mitlödi in dem von Kaspar Wild neu erstellten "Rothaus" nieder. Er kam noch einmal 1898 nach Kristiansand zurück, als Markus Wild Junior. gestorben war. Er blieb den Sommer über, um sich um die Abwicklung der Firma zu kümmern. Er starb Ende Mai 1903 in Mitlödi. Er diente seiner Gemeinde über den Tod hinaus, indem er sein Vaterhaus, an dessen Stelle heute der Kindergarten steht, der Schulgemeinde vermachte.

 

Samuel Otto & Co unter Markus Wild Junior (1839-1898)

 

Max Wild Junior wurde 1839 in Mitlödi geboren. Er kam 1856 in Kristiansand an und arbeitete in der Firma von Samuel Otto & Co., wo sein Cousin, Markus Wild Senior, und sein Schwager die Geschäftsleitung innehatten. Er war mit der aus Schwanden stammenden Margaretha Warth. Nach einigen Jahren in Kristiansand kaufte Marcus Wild Junior das Gut Teien bei Tønsberg, wo er sich niederliess. Es war ein grosses, luxuriöses Haus, das der Familie Walløe gehört hatte. Der erstgeborene Sohn Kaspar (1865-1870) starb, während sie auf Teien lebten. Das traf sie so sehr, dass sie es nicht mehr ertragen konnten, dort zu leben. Sie verkauften das Anwesen, kehrten in die Schweiz zurück und zogen zu Wilds Eltern nach Mitlödi. Nach dem Tod von Konsul Johann Heinrich Wild kehrten sie jedoch wieder nach Kristiansand zurück. Im Jahr 1882 übernahm Markus Wild Junior die Firma Samuel Otto & Co., als Markus Wild Senior in den Ruhestand ging. Es war wirtschaftlich eine schwierige Zeit, um diese grossen Grundstücke und das Geschäft zu übernehmen. Die Preise für Bauholz waren niedrig, die Schifffahrt brach ein und die Firma hatte im Verhältnis zum Geschäftsgang zu viele Angestellte. Das Holzgeschäft lief trotz diesen widrigen Umständen weiter, sowohl in den beiden Mühlen als auch in den Sägewerken in Vigeland und Fiska. Markus und Margaretha brachten vier Kinder mit nach Norwegen und hatten später eine Tochter, die hübsche kleine Margaretha Sibilla (1885-1970). Die junge Familie Wild führte ein sehr ruhiges Leben. Margaretha Wild war eine zurückhaltende Person und Markus schien auch nicht gerne auf Partys zu gehen. Die Zeiten im Gewerbe blieben schwierig. Es heisst, dass Markus Wild Junior vorhatte, alles zu liquidieren und stattdessen ein Bankgeschäft zu eröffnen, und dass es für ihn eine grosse Enttäuschung war, als die Søndenfjeldske Privatbank gegründet wurde, die keinen Platz für ihn und sein geplantes Geschäft liess. Als sein Sohn Markus (1872-1898) unheilbar krank wurde, war das ein schwerer Schlag für ihn und Katharina. Nach und nach verkaufte Markus seine grossen, wertvollen Grundstücke, 1897 auch Vigeland, und es blieben nur das kleine Sägewerk in Fiska und die Werften in der Stadt. Seine wirtschaftliche Lage war jedoch sehr komfortabel. Aber er wurde krank, bekam Gelbsucht und starb am 20. Mai 1898 in Kristiansand. Er war eine sehr geschätzte Person, welcher viele Ehrenämter übertragen wurden. Er war ein guter und freundlicher Mensch und ein guter Freund, der nur schwer "nein" sagen konnte, wenn ihn jemand um etwas bat. Konsul Markus Wild Senior reiste zu seiner Beerdigung aus der Schweiz an und begann unmittelbar danach mit der Liquidierung der Samuel Otto & Co. Alle Dokumente und Bücher, die sich im Laufe der Jahre angehäuft hatten, wurden auf die Fiska-Insel gerudert. Er selbst war dabei, als alles verbrannt wurde - es dauerte mehrere Tage. Erst 1901 wurde der Nachlass endgültig geregelt. Seine Gattin Margaretha Wild blieb im Winter 1898-99 in Kristiansand. Im November 1898 verstarb der kranke Sohn Markus, und danach zog sie in die Schweiz. Dies war das Ende der alten Samuel Otto & Co. Sie hatte lange Zeit einen grossen Einfluss auf das Wirtschaftsleben der Stadt gehabt, geleitet von klugen Männern, die zahlreiche Menschen Arbeit verschaffte. Die Firma war einzigartig, weil sie nicht vom Vater auf den Sohn überging, sondern auf Halbbrüder, Cousins und Schwager, die aus ihrer fernen Heimat kamen und einer nach dem anderen die Leitung übernahmen. Sie passten sich schnell an ihre neue Umgebung an und waren allesamt kluge und gute Geschäftsleute, die in der Stadt hohes Ansehen genossen. Um allfälligen Interessenkonflikten vorzubeugen, unterzeichneten Kaspar Wild und R. Luchsinger 1837 einen Vertrag, der vorsah, dass im Falle von Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Inhabern, derjenige die Entscheidung treffen sollte, der am längsten Teilhaber der Firma war. Ausserdem enthielt der Vertrag eine Klausel darüber, in welchen Angelegenheiten Einstimmigkeit erforderlich war und wie wichtig es war, dass einer der Beteiligten in Abwesenheit des anderen entscheiden konnte. Diese Betriebsvereinbarung von 1837 wurde von den späteren Vorgesetzten befolgt und schien sich bewährt zu haben. Viele der Mitarbeiter arbeiten jahrelang in der Firma und auch nach dem Ende der Firma erinnerten sich viele Einwohner von Kristiansand an die "Schweizer", die auf der Westseite der Stadt herrschten.

 

 

Blumer & Tschudi in Tønsberg / Saline Vallø 

 

Schatzvogt Peter Blumer (1752-1812) kam wohl durch seinen Schwager, Fridolin Ott, ebenfalls nach Norwegen und gründete in Kristiania eine Importfirma für Schweizerartikel und Kolonialwaren, welches später als Firma Blumer & Tschudi die Saline Vallø bei Tønsberg ausbeutete. Als Peter Blumer und Melchior Tschudi (1788-1852) 1830 vom dänischen König die Salzwerke in Vallø kauften, war es das drittgrösste Unternehmen in Norwegen nach den Kupferminen in Røros und den Silberminen in Kongsberg (im Besitz des dänisch-norwegischen Königs). Melchior Tschudis Sohn Peter Tschudi (1812-1894) war einer der grössten Segelschiffsbesitzer in Tønsberg, bevor er 1863 den Handel der Firma Blumer & Tschudi einstellte, Vallø kaufte und später an seinen Sohn Anton Tschudi weitergab. Die Saline Vallø beschäftige zahlreiche Schweizer Arbeiter, die aus Glarus kamen. Die Saline besass ein riesiges Stück Land und brauchte gute Arbeitskräfte für ihre landwirtschaftliche Produktion. Es gab Glarner Käser und Bauern, die mit viel neuem Wissen zur Modernisierung der norwegischen Milchwirtschaft beitrugen und den Norwegern beibrachten, wie man richtigen Käse herstellt. Dies ist ein Teil der norwegischen Geschichte, der heute nicht sehr bekannt ist.

 

Sohn Anton Tschudi (1848-1914) wurde in Tønsberg geboren. Sein Vater Peter besass den Hof Valløe in Sem ausserhalb der Stadt Tønsberg. Seine Schwester Clara war eine bekannte Schriftstellerin, und sein Bruder Oscar war Richter. Anton Tschudi war vor allem mit dem Kauf und Verkauf von Land in Aker, heute ein Teil von Oslo, beschäftigt. Im Jahr 1898 kaufte er den 400-Hektar-Hof Øvre Høybråten, der 1905 parzelliert wurde. Solemskogen in der Nähe von Maridalsvannet wurde 1897 gekauft und 1903 parzelliert, ausserdem parzellierte er auch Økern. Tschudi war auch in Bærum aktiv. Im Jahr 1912 kaufte er Vestre Haslum, das bald in 360 Parzellen aufgeteilt und verkauft wurde. Das Gebiet erhielt den Spitznamen Tschudimarka. Tschudi hatte einen erheblichen Einfluss auf die Suburbanisierung von Oslo, sowohl auf ihr Tempo als auch auf ihren Charakter. Dies ist vor allem auf seine Neigung zurückzuführen, seine Grundstücke billig an Arbeiter und Handwerker zu verkaufen. Die Grundstücke waren in der Regel 1 bis 2,5 Hektar gross und für den Bau von Einfamilienhäusern geeignet. Im Gegensatz zu den umliegenden Blocksiedlungen - vor allem um den Høybråten - sind die von Tschudi verkauften Grundstücke auch heute noch von Einfamilienhäusern geprägt. Der Nachteil der billigen Parzellen war das Fehlen von Kommunikationsmitteln und Infrastruktur. Die Lobbyarbeit für Verkehrsverbindungen lag bei den Bewohnern; Høybråten erhielt 1920 einen Bahnhof, Haslum 1924 eine Strassenbahnstation. In Solemskogen fehlte es an Verkehrsanbindung und vor allem an Wasserableitung, was eine Gefahr für die Wasserqualität im Maridalsvannet darstellte und daher von der Gemeinde missbilligt wurde. Die Parzellierung wurde von den Behörden gestoppt, nachdem 153 von 274 Parzellen verkauft worden waren, und die Gemeinde versuchte später, mehrere Parzellen aufzukaufen oder zu enteignen. Somit wurde Solemskogen nie vollständig suburbanisiert. In Bærum war die Gemeinde besorgt über die "Verwahrlosung" von Tschudimarka. Zwei Strassen wurden nach ihm benannt, beide 1925, Anton Tschudis vei in Haslum und in Risløkka. Anton Tschudi selbst wohnte in Frogner, in der Volkszählung von 1900 in Skovveien bei Uranienborg und in der Volkszählung von 1910 in Svoldergaten bei Filipstad. Mit seiner Frau hatte er sechs Kinder, die zwischen 1890 und 1901 geboren wurden: vier Söhne und zwei Töchter (Ralph, Waldo, Vera, Peter Fridolin, Knut Anton und Alice); Vera heiratete Gerhard C. Kallevig. Anton Tschudi starb im Jahr 1914 in Oslo.

 

 

Jacob Trümpy & Søn in Bergen 

 

Es war Hans Jakob Trümpy (1724-1792), der als Erster nach Bergen kam und hier 1757 das Bürgerrecht erhielt. Davor betätigte er sich in Altona als Kaufmann und heiratete 1773 in Bergen Helena Valentinsen (1750-1798). Eines seiner Kinder hiess Caspar Trümpy (1775-1823), der sich zweimal verheiratete und insgesamt 12 Kinder hatte. Caspar war Kapitän auf Handelsschiffen. Sein dritter Sohn (das zweite Kind aus zweiter Ehe) hiess Hans Jakob (1805-1874). Er war nicht nur Familienvater von 16 Kindern, sondern auch der Begründer der angesehenen Schiffswerft J. Trümpy in Bradbenken. Hans Jakob heiratete 1835 Anna Paasche (1812-1876) und ihr erstes Kind war der spätere Schiffsbaumeister Kaspar Trumpy (1836-1894). Wie schon sein Vater Hans Jakob erlernte auch Kaspar sein Handwerk bei Westervelt in New York. Sein jüngerer Bruder Herman (1837-1910) avancierte später in Livorno zum erfolgreichen Schiffsmakler, während Bruder Alfred August (1841-1911) als Ingenieur im Unternehmen seines Vaters wertvolle Ideen einbrachte. Kaspar seinerseits heiratete 1862 Anna Harmens (1840-1913) und hatte mir ihr 11 Kinder, wobei drei im Säuglingsalter verstarben. Der 1879 geborene Sohn Johan wählte später ebenso den Beruf des Schiffsbauers und betrieb in Annapolis, Maryland eine hoch angesehene Jachtwerft, die heute von seinem Enkel Johan Harmens Trumpy geführt wird.

 

 

Tschudi Shipping Company in Lysaker

 

Es gibt noch einen anderen Zweig der Glarner Familie Tschudi, Peter Tschudi (1817-1876) der um 1840 nach Norwegen kam. Sie arbeiteten zunächst für Blumer & Tschudi in Vallø. Peter Tschudis Sohn Henry Tschudi (1858-1939) wurde Kapitän und gründete dann zusammen mit dem Norwegischen Partner Camillo Eitzen 1883 eine Reederei in Tønsberg, die bis zum heutigen Tag in der vierten und fünften Generation (Felix Henry Tschudi *1960) erfolgreich geführt wird und zu den grössten Reedereien Norwegens gehört (www.tschudigroup.com). Der Hauptsitz befindet sich heute in Lysaker, Norwegen. Die Hauptgeschäftsbereiche der Gruppe sind Schifffahrts- und Seeverkehrsdienstleistungen sowie Logistik. Die Gruppe ist in erheblichem Umfang in Nordnorwegen und in der Arktis tätig, u. a. mit den Sydvaranger- Bergbauunternehmen, mit Unternehmen, die Häfen/Terminals, Immobilien und Zuschlagstoffe in Kirkenes besitzen (Tschudi Kirkenes-Gruppe), sowie mit Umschlag- und anderen Logistikunternehmen für die Nordseerouten.

 

 

Thomas Johannesen Heftye & Søn in Kristiania

 

Johannes (später Johannes Thomassen) Hefti (1730-1801) erfreute sich für die damalige Zeit in seiner Heimatgemeinde Hätzingen eines bedeutenden Wohlstandes und befasste sich mit Landwirtschaft und Holzexport, welchen er durch die Linth und den Rhein nach Holland flössen liess. Mit der Zeit erkannte er, dass die Norweger billiger lieferten, als die Glarner und fuhr daher, unternehmensfreudig wie er war, Ende des 18. Jahrhunderts mit seinen Söhnen Thomas (1767-1827), Fridolin (1774-1825) und Heinrich (1780-)nach Norwegen und begann von dort aus Handelsgeschäfte zu betreiben, kehrte jedoch von Zeit zu Zeit wieder in die Heimat nach Hätzingen zurück. Er erhielt 1769 das Handelsprivileg in Christiania. Seine beiden Söhne Thomas und Heinrich liessen sich anfangs des 19. Jahrhunderts definitiv in Christiana (Oslo) nieder und gründeten mit den aus dem Handel erwirtschafteten Geldmitteln ein Bankhaus. Die beiden Söhne nannten sich in Norwegen "Heftye". 

 

Thomas Hefti (1767-1827), der sich in Norwegen Thomas Johannessen Heftye nannte, kam 1791 nach Christiania und erhielt noch im selben Jahrs das norwegische Handelsprivileg und das Bürgerrecht von Christiana. Er war Reeder, Importeur, Kaufmann und Geldwechsler. Er war einer der Direktoren der "Rigsbanken", dem Vorläufer der Norges Bank. Er gründete 1818 zusammen mit seinem Sohn das Bankhaus Thomas Johannesen Heftye & Søn. Die Bank spielte während 100 Jahren eine wichtige Rolle im Finanzleben Norwegens. Sein Sohn Johannes Thomassen Heftye (1792-1856) war ungefähr 25 Jahre alt, als er zusammen mit seinem Vater das Bankhaus gründete. Wie sein Vater war er während mehreren Jahren Mitglied des Börsen- und Handelsausschusses in Norwegen, 1831 sogar dessen Vorsitzender. Er heiratete 1810 Anne Christina Hasler (1798-1862) und war u.a. Vater von Thomas Johannessen Heftye (1822-1886), der in Filipstad aufwuchs und in Leipzig studierte. 1848 trat er in das Familienunternehmen seines Vaters ein. Er engagierte sich stark im Organisationsleben der damaligen Zeit. Er war Mitbegründer des norwegischen Wandervereins im Jahr 1868. Ihm gehörten die ländlichen Gebiete Sarabråten, Frognerseteren und Tryvannshøyden. Schon zu seinen Lebzeiten wurden diese als Erholungsgebiete erschlossen; die beiden letztgenannten Gebiete gingen später in öffentlichen Besitz über. Außerdem war er von 1873 bis zu seinem Tod Mitglied des Vorstands der Akers Sparebank, der Norges Forsvarsforening, des Christiania Theaters, der Gesellschaft für die Erhaltung alter norwegischer Denkmäler und der Christiania Kunstforening. Er engagierte sich auch in der Politik. Von 1855 bis 1856 und 1879 bis 1886 war er Mitglied des Stadtrats von Kristiania und von 1869 bis 1877 Mitglied des Gemeinderats von Aker. In der Wahlperiode 1880-1882 war er stellvertretender Abgeordneter im norwegischen Parlament. Der Grund, warum er nach 1877 von Aker nach Christiania wechselte, war, dass Frogner, wo er wohnte, 1878 in die Stadt eingemeindet wurde. Seine Villa wird heute als britische Botschaft genutzt. Heftye wurde 1860 zum Ritter des schwedischen Polarsternordens, 1864 zum Ritter des königlichen norwegischen St.-Olav-Ordens, 1866 zum Ritter des dänischen Dannebrog-Ordens und 1867 zur französischen Ehrenlegion ernannt. Außerdem war er seit 1867 Kommandeur des österreichischen Franz-Joseph-Ordens und seit 1877 des schwedischen Vasariterordens. Er starb im Oktober 1886 in Kristiania.

 

Ein weiterer Sohn von Thomas Johannessen Heftye war Henrik Thomassen Heftye (1804-1864). Er erwarb 1829 theologisches Diplom, trat aber danach in das Familienunternehmen ein. Ab 1852 war er Direktor der Norges Hypotekbank und von 1853 bis 1858 Mitglied des Vorstands von Storebrand. Er engagierte sich auch in der Kunstszene und war Mitbegründer und Schatzmeister der Christiania Kunstforening im Jahr 1836. Im Jahr 1862 verfasste er sein Testament, in dem er Beträge für die Philanthropie spendete. Mit seinen Spenden wurde unter anderem der heutige Heftye Kindergarten (Heftyes barnehage) gegründet. Er starb im Februar 1864 in Aker. 

 

Die Tochter von Thomas Johannessen, Elsbeth (Bertha) Heftye (1807-1888), heiratete 1826 Mogens Thorsen (1790-1863), den grössten Reeder in Christiania. Mogens und Bertha wurden bekannt für die von ihnen errichtete Stiftung Mogens Thorsens og Hustrus Stiftelse, die Wohnungen für alleinstehende Frauen bereitstellt. Die Familie ist noch heute in Norwegen vertreten und war in der Vergangenheit mit wichtigen Ämter betraut, so beispielsweise Thomas Thomassen Heftye (1860-1921), der ein norwegischer Offizier, Ingenieur, Sportfunktionär und Politiker der Liberalen Partei war. Am bekanntesten ist er als norwegischer Verteidigungsminister von Juni bis Oktober 1903 und März bis April 1908 sowie als Direktor von Telegrafverket. Er kam bei der Zugkatastrophe von Nidareid 1921 ums Leben.

 

David Hefti & Sohn in Kristiania

 

Ebenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begab sich David Hefti (1764-1821) und sein Sohn Fridolin (1796-) von Hätzingen nach Kristiania, um dort eine Ölmühle und Seifensiederei zu betreiben. Über diesen Betrieb ist wenig bekannt. David verheirate sich nach dem Tod seiner ersten Frau 1804 in Christiana mit Johanna Bölling, geborene Wilder. Die zweite Frau gebar ihm ein Jahr später einen Sohn David Christian, der aber ein halbes Jahr später starb. David starb am 5. Oktober 1821 in Oslo und sein Sohn Fridolin war 1820 noch in Norwegen. Gut möglich, dass es noch Nachkommen von dieser Familie in Norwegen gibt.

 

 

Andreas Heftye (1835-1901) in Frogner

 

Ein weiterer Hefti konnte in Frogner gefunden werden. Andreas' Eltern Andreas Hefti (1805-ca. 1885) und Elsbeth Hefti-Legler (1813-1885) wanderten 1871 von Luchsingen nach Nebraska aus. Wann und weshalb Andreas Hefti (1835-1901), der sich in Norwegen auch Heftye nannte, nach Norwegen kam ist nicht bekannt. Er arbeitete als "Schweizer", was bedeutet, dass er sich auf Viehzucht und die Verbesserung der Milchproduktion spezialisiert hatte. Er wohnte im Christiania-Viertel Frogner innerhalb der Stadtgrenzen. 1861 heiratet er in Ostfold Grete Martine Johannesdatter (1836-1904). Mit ihr hatte er 6 Kinder von denen drei nach Amerika emigrierten: Anna Heftye (1867-), die 1892 den Norweger Gustav Adolf Sparre (1868-) heiratete, und noch heute Nachkommen in USA leben; Aksel Frithjof Heftye (1873-1920), der 1920 ledig in Chicago starb und Elise Margrethe Heftye (1876-1949), die 1896 den Norweger Karl Anton Aamot (1872-1953) heiratete und noch heute zahlreiche Nachkommen in USA leben.

Johann Heinrich Disch (1805-1876) in Ringerike

(Quelle: Astrid Røste Nyhus, erschienen in Heftet Ringerike 2008, 47 ff. (Original in Norwegisch / Übersetzung von Patrick A. Wild)

Die Königliche Gesellschaft für das Wohlergehen Norwegens (Norges Vel) stand ab Mitte des 19. Jahrhunderts hinter der Initiative zur Schweizer Einwanderung. Da die Bedingungen in der norwegischen Landwirtschaft alles andere als zufriedenstellend waren und es in diesem Land an Fachkräften mangelte, ergriff Norges Vel die Initiative, Arbeitskräfte von ausserhalb anzuwerben. Die Schweiz war lange bekannt für gute Viehhaltung und Käseproduktion in genossenschaftlichen Betrieben, was Norges Vel bewusst war, nachdem er Vertreter dorthin geschickt hatte, um die Bedingungen zu studieren. Das Unternehmen kontaktierte auch ein Schweizer Unternehmen, Blumer & Tschudy, das Vallø Saltverk in der Nähe von Tønsberg gekauft hatte und bereit war, norwegischen Scheunen und Molkereien Arbeitskräfte aus der Schweiz zur Verfügung zu stellen. Insgesamt sollte kamen bis etwa 1870 rund 100 Personen aus der Schweiz, um als Viehzüchter und Käser zu arbeiten. Ausserdem brachten einige von ihnen ihre Familie nach Norwegen.

 

Die meisten Schweizer wurden auf grösseren Farmen und Molkereien in Ostnorwegen untergebracht. Einige kamen nach Trøndelag, während Sørlandet und Vestlandet nicht viele erhielten, und wahrscheinlich kam niemand nach Nordnorwegen. 

 

Im Zusammenhang mit der Ankunft der Schweizer entstand auch die Berufsbezeichnung „Sveitser“ als Synonym für Viehzucht. Eine Schwierigkeit war zumindest am Anfang die Sprache. Zudem waren Herdenpflege und Milchverarbeitung in Norwegen traditionell eine Frauenbeschäftigung und vielen Viehbesitzern fiel es wahrscheinlich nicht so leicht, ihr Vieh Ausländern zu überlassen, die fast ausschliesslich Männer waren.

 

Wie lange die Schweizer in Norwegen blieben, war unterschiedlich. Einige kehrten nach kurzer Zeit zurück, während andere hier eine Familie gründeten und sich dauerhaft niederliessen. Dies galt auch für jene, die Familie aus der Schweiz bei sich hatten. Einige wanderten auch in andere Länder aus, insbesondere nach Amerika.

 

Die Familie Disch aus dem Bergdorf Elm

 

Elm ist eine der höchstgelegensten Gemeinde der Schweiz und liegt im Kanton Glarus. Hier ist die Natur prachtvoll mit steilen Talflanken, die bis weit hinauf zu den Almflächen bewirtschaftet werden und die oben zu den hohen und spitzen Berggipfeln hin liegen. In dieses Tal kamen die ersten Vertreter der Familie Disch, die im 17. Jahrhundert über die Berge aus Graubünden einwanderten. Da der beste Boden bereits vergeben war, mussten sie sich mit den Flächen tief im Tal, in Steinibach und Hinter-Steinibach begnügen.

 

Der älteste und erste der Familie Disch, der nach Ringerike kam, war Johann Heinrich Disch. Er wurde 1805 in Elm als eines von acht Geschwistern geboren. Er wuchs in Elm auf, aber was er bis zu seinem 32. Lebensjahr tat, ist nicht überliefert. 1837 finden wir ihn in Zizers im Nachbarkanton Graubünden, wo er im selben Jahr die 25-jährige Barbara Elmer (1812-1840) heiratete. Sie hatten drei Kinder, aber nur ihre Tochter Anna, geboren am 4. Juni 1839, überlebte. Bereits 1840 starb Barbara im Kindbett. Im folgenden Jahr hatte Johann Heinrich eine neue Frau gefunden, Zedonia Züst (1817-1847), gebürtig aus Langwies im Kanton Graubünden. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor: Balthasar (1842-1937), Johann Heinrich Jr. (1843) und Johannes (1845). Auch Zedonia erreichte kein fortgeschrittenes Alter, sie starb am 1. April 1847, nur 30 Jahre alt. Der Witwer blieb nun mit zwei kleinen Kindern zurück, und er musste sich erneut für eine Frau bemühen. Bereits im September desselben Jahres heiratete er die 19-jährige Ursula Henschel (1828-1858). Ihr erstes Kind wurde 1848 tot geboren. 

 

Auswanderung nach Norwegen

 

Johann Heinrichs Vater, Balthasar Disch (1773-1850), und ein weiterer Sohn, Werner (1800-1881), waren bereits in den späten 1830er Jahren nach Norwegen zu Blumer & Tschudy auf Vallø gegangen. 1848/49 gingen auch Johann Heinrich und Ursula nach Vallø. Die Kinder aus den früheren Ehen müssen sie bei Verwandten gelassen haben, sie kamen wahrscheinlich erst um 1860 nach Norwegen.

 

Jetzt sollte das Leben für das Paar zuversichtlicher werden, mit neuen Möglichkeiten. Dies geschah jedoch nicht wie erhofft. Mehrere Kinder wurden im Abstand von nur einem Jahr geboren, starben jedoch kurz darauf. Der Sohn Werner kam 1849 und war erst 8 Tage alt. Elisabeth geboren 1850, starb nach 3 Tagen. Eine weitere Elisabeth im Jahr 1851 war 14 Tage. Johann Heinrich starb 1852 im selben Jahr. Dann kamen zwei gesunde Kinder, Marie geb. 1853 und Henrikke Vilhelmine 1855. Doch das Schlimmste kam noch.

 

Die Auswanderung ins Ausland und die vielen Geburten müssen die junge Mutter stark belastet haben. Sie gab es auf, länger zu leben und nahm sich das Leben. Und nicht nur das, auch die beiden erwähnten Töchter mussten ihr in den Tod folgen. Im Kirchenbuch für Shem 1858 hat der Pfarrer folgende Ergänzung zu den Todesfällen vorgenommen: „Beide Kinder tötete die Mutter in einem Wahnsinnsanfall, woraufhin sie selbst in einen Brunnen stürzte, aus dem sie wieder befreit werden konnte, aber kurz danach starb". Es gibt keine Informationen darüber, wie die Kinder getötet wurden.

 

Johann Heinrich hatte nun, nach 10 Jahren in seiner neuen Heimat, seine Frau und sechs Kinder verloren, ausser den wie bereits erwähnten zwei Ehegatten und drei Kinder in der Schweiz. Trotzdem waren der Leidensweg für den schwer geprüften Witwer noch nicht zu Ende. Aber es gab noch einen Lichtblick: Eine Tochter aus der letzten Ehe lebte, Johannne Cathrine, die 1857 geboren wurde und somit erst einjährig mutterlos wurde.

 

Weiter nach Ringerike

 

Nach der Tragödie lebte Johann Heinrich noch fünf Jahre lang in Vallø, bis er 1863 als Käsemeister bei Ringeriges Ysteri bei Veien in Heradsbygda angestellt wurde. Nun waren auch die ältesten Kinder erwachsen und nach Norwegen gekommen. In der Molkerei zog Tochter Anna (1839) zu ihrem Vater als Haushälterin und der Sohn Johann Heinrich Jr. (1843) wurde Gehilfe seines Vaters in der Molkerei. Der Sohn Balthasar (1842-1937) hatte mehrere Anstellungen als Viehzüchter in Ringerike, u.a. in Nærstad und Gussgården, bevor er zu anderen Höfen in Ostnorwegen zog. Balthasar starb im Alter von 97 Jahren auf Vallø.

 

Auch die Tochter Johannne Cathrine kam mit ihrem Vater nach Ringerike. Sie war damals 6 Jahre alt. In der Volkszählung von 1865 wird sie als "Pflegekind" des Bauern Helge Henriksen auf dem Hof ​​Bråten in der Nähe der Molkerei angegeben. Johannne Cathrine wurde am 2. Juni 1872 in der Kirche von Norderhov getauft und heiratete 1878 Edvard Kristian Danielsen, geboren 1857, aus Danielsplassen auf Hurum in Hole. Er war ein vielseitiger Handwerker und arbeitete als Zimmermann, Schmied, Holzfäller und Metzger. Sie lebten eine Zeit lang auf Vaker und später auf Brastad, bevor sie um 1882 das Anwesen Løkka (Øver-Daniels) kauften. Ihr erstes Kind, Dorthea Betzy, wurde 1878 geboren, und bis 1899 hatten sie 7 weitere Kinder.

 

Einer der Söhne, Daniel Bernhard, starb im Alter von 20 Jahren bei einem Unfall in Hønefossen am 12. Mai 1916. Er war Mühlenarbeiter bei Hønefoss Bruk und er und sein Schwager Fingar Olsen Hønenhagen, 22 Jahre alt alt und verheiratet mit Daniels Schwester Karen, wurden getötet, als ein Damm im grossen Wasserfall brach. Die Rohre in einem sogenannten „Reinwasserteich“ waren verstopft, und einige der Arbeiter mussten die Rohre reinigen. Daniel und Fingar waren an dieser Arbeit nicht beteiligt, aber als das Schleifen wegen der Reinigung gestoppt wurde, gingen sie hinauf, um nachzusehen. Plötzlich explodierte eine der Seiten des Teichs, und die Massen von Steinen und Stöcken rissen die beiden Männer in den Tod. Die Reinigungskolonnen blieben auf der anderen Seite und schafften es. Daniel wurde bald im Bereich der Mühle gefunden. Die Leiche von Fingars hingegen wurde erst am 27. Juli ganz unten bei Geithus gefunden. Ringeriges Blad hatte eine vollständige Berichterstattung über den Vorfall. Edvard Kristian Danielsen lebte bis 1934 und Johannne Cathrine starb 1942.

 

Der Schweizer Wirt Joseph P. Oechsle war seit den frühen 1860er Jahren auf Oppen gård angestellt. Er und Anna Disch wurden ein Paar und heirateten 1867. Dann verliess Joseph Oppen und hatte nahm eine neue Arbeit in Tingelstad an. Später arbeitete er u.a. auch in Trøgstad. Sie hatten zwei Kinder. Wann Anna starb, ist ungewiss, aber Joseph lebte 1900 noch und war damals, 74 Jahre alt, immer noch als „Bauer und Knecht“ in Romerike tätig.

 

Was den Sohn Johann Heinrich jr. betrifft, so musste er schliesslich als Gehilfen seines Vaters die Molkerei verlassen, als sich die Wirtschaft verschlechterte. Er hatte eine Zeit lang einen Job auf der Ile Farm in Romerike, reiste aber später nach Kanada. Noch während seiner Zeit bei Ringeriges Ysteri lernte er Helle Nilsdatter aus Oppenhagen kennen. Sie war die Tochter des berühmten "Hagasmeden" Nils Bjørnsen, "Bjørnser'n", und auch Tante von Anette Berga, die dafür bekannt war, "etwas zu tun". Oppenhagen war nicht weit von der Molkerei auf Veien entfernt, und „Hagan“, wie der Ort im Volksmund genannt wurde, war Treffpunkt für viele Menschen, sowohl im Zusammenhang mit der Schmiede als auch in ihrer Freizeit. Dort lebten mehrere junge Leute, und einer von Helles Brüdern war Geiger. Die Schweizer Einwanderer waren ein exotisches Element in der ländlichen Umgebung und wurden wahrscheinlich dort populär, wo sich junge Leute versammelten. Schliesslich wurden Helle und Johann Heinrich jr. ein Paar. Sie hatten 1868 keine gemeinsame Tochter, Anne Bolette. Helle konnte nicht mit Johann Heinrich jr. auswandern, da der verwitweten Vater krank und pflegebedürftig war. Eine unverheiratete Schwester war ebenfalls an Arthritis erkrankt. Nach einem Besuch bei Helle, als ihre Tochter zwei Jahre alt war, kehrte Johann Heinrich jr. Nach Kanada zurück und liess sich in Quebec nieder. Die Ehe mit Helle in Norwegen endete, und 1874 heiratete er in Ile de Saint Laurent, Quebec, die Kanadierin Marie Ruel, und dort enden alle Spuren von ihm.

 

Johann Heinrich's letztes Jahr

 

Wie bereits erwähnt, endete der Betrieb im Ringeriges Ysteri im Jahr 1868. Johann Heinrich war damals mit 63 Jahren ein älterer Mann. Als Facharbeiter hatte er wahrscheinlich keine grossen Schwierigkeiten, eine neue Arbeit zu finden. Er war offensichtlich bei guter Gesundheit und bald wurde er als Käser auf der Vaker Farm angestellt.

 

Nun schien es auch, als würde Johann Heinrich im Alter nicht mehr einsam sein müssen. Bei Vaker lernte er das Dienstmädchen Ingeborg Johannne Olsdatter kennen. Sie wurde 1838 geboren und war damit 33 Jahre jünger als er. Diese beiden begannen trotz eines grossen Altersunterschieds eine Beziehung, und am 9. Oktober 1871 brachte Ingeborg einen Sohn zur Welt, der Johann Vernhardt hiess. Am 4. Dezember wurde er getauft, und am selben Tag heirateten Johann Heinrich und Ingeborg Johannne, es war ihre erste und seine vierte Ehe.

 

Aber die Prüfungen waren noch nicht zu Ende. Eine kurze Woche nach der Taufe starb Johann Vernhardt im Alter von zwei Monaten. Das Leben musste weitergehen – für kurze Zeit. Im Frühjahr 1873 brachte Ingeborg Johannne einen totgeborenen Jungen zur Welt. Am 16. Mai starb sie an Wochenbettfieber, und Johann Heinrich war mit 68 Jahren wieder Witwer.

 

Danach schien es für den alten Kämpfer schwer zu werden, ohne soziale Sicherheit oder Verwandte, die sich für ihn kümmern konnten. Am Ende musste er alleine wieder auf die Beine zu kommen. Die letzten drei Jahre seines Lebens arbeitete er als Vorarbeiter, das letzte Jahr auf dem Hof ​​Nøkleby. Wie er als berufsmässig stolzer Fachmann erleben musste, auf Unterhalt der öffentlichen Hand angewiesen zu sein, darüber sagen die Quellen nichts aus. Johann Heinrich Disch starb am 11. Dezember 1876 im Alter von 71 Jahren in Nøkleby. Laut Todesanzeige hinterliess er: „…einige Kleider…“ und sonst nichts.

 

Es gibt keine mündliche Überlieferung mehr über Johann Heinrich, was mit seinem dramatischen Leben geschehen ist. Aber vielleicht ist es gelungen, einen kleinen Einblick in das anstrengende Leben eines Menschen zu geben, der sich in einem Land fernab des steilen Bergtals im Kanton Glarus, in dem er geboren wurde, eine neue Zukunft aufbauen wollte.

 

Bjørn Trumpy (1900 - 1974)

 

Über die Familie Trümpy, deren Stammvater Hans Jakob Trümpy schon 1757 als erster Glarner nach Norwegen kam, habe ich bereits weiter vorne berichtet. Einer seiner Nachkommen, der bemerkenswerten Einsatz in Norwegen geleistet hat, war der in Bergen geborene Bjørn Trumpy (1900-1974). Er war einer der Pioniere der norwegischen Teilchenphysik, der kosmischen Strahlung, des Erdmagnetismus und der Kernphysik. Darüber hinaus war er gewerkschaftspolitisch aktiv, arbeitete sechs Jahre lang als Direktor des Bergen-Museums und setzte sich für den Aufbau der Universität Bergen ein. Trumpy war der erste Rektor dieser Universität.

 

Neben seiner militärischen Laufbahn war sein Vater George Harmens Trumpy (1870-1964) Autor von militärischen Artikeln und anderen Schriften und in einer Reihe von humanitären Organisationen aktiv. Bjørn Trumpy wurde in Bergen geboren, wuchs in Kristiania auf, verbrachte aber seine Jugend in Tromsø und legte dort 1918 die Kunstprüfung ab.

 

Nachdem er durch eine Vorlesung über Röntgenstrahlen inspiriert worden war, beschloss Trumpy, Physik zu studieren, schlug aber zunächst den Weg der Chemie an der Norwegischen Technischen Universität (NTH) in Trondheim ein. Nach seinem Abschluss als Chemieingenieur im Frühjahr 1922 war er Assistent an der Hochschule und promovierte 1927 über eine Arbeit in Spektralphysik. Er verbrachte 1928 in Göttingen und das folgende Jahr in Kopenhagen bei Niels Bohr. Von 1931-32 war er Laboringenieur an der NTH und von 1932-35 Dozent für Physik an der norwegischen Lehrerbildungsanstalt in Trondheim. In diesen Jahren leistete er wichtige wissenschaftliche Arbeit in der Spektralphysik, die international zitiert wurde. 1935 kam Trumpy als Professor für Erdmagnetismus und kosmische Physik nach Bergen an die Abteilung für Geophysik des Museums Bergen. Im Jahr 1952 wurde dies in eine Professur für Physik an der Universität Bergen umgewandelt.

 

Trumpy verfasste etwa 100 wissenschaftliche Artikel zu Themen der Atom- und Molekularphysik, der kosmischen Strahlung, des Erdmagnetismus und der Kernphysik. In Bergen wurde Trumpy wichtig für die Entwicklung mehrerer Disziplinen, darunter Kern- und Strahlenphysik, und zusammen mit dem Ingenieur Odd Dahl war er maßgeblich am Bau einer Hochspannungsanlage im Haukeland-Krankenhaus beteiligt. Er war u. a. Mitbegründer der Abteilung für Atomenergie in Kjeller und Mitglied des Vorstands der Abteilung. In den Jahren 1957-67 war Trumpy Mitglied der Gemeinsamen Niederländisch-Norwegischen Kommission für Kernforschung, wofür er 1965 mit dem Komturkreuz des Oranje-Nassau-Ordens ausgezeichnet wurde. Außerdem bekleidete er wichtige Ämter im norwegischen Atomenergierat, im norwegischen Forschungsrat und im norwegischen Komitee für Weltraumforschung sowie als Vertreter im Rat des CERN in Genf. Er leistete einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der kosmischen Physik durch den Start von Raketen mit Registrierungsinstrumenten von Andøya aus.

 

Ab 1943 war Trumpy sechs Jahre lang Direktor des Bergen-Museums und half bei der Vorbereitung der Pläne für die Universität von Bergen. Nach der Eröffnung im Jahr 1948 wurde er der erste Rektor der Universität. Mit Trumpy bekam die neu gegründete Universität eine gute Führungspersönlichkeit. Er war immer bereit, neue Aufgaben zu übernehmen, und verstand es gut, jüngere Menschen zu gewinnen und für die Forschung zu begeistern. Trumpy war ein sehr aufgeschlossener Mensch und ein hervorragender Redner. Wenn nötig, zögerte er nicht, sich den Politikern zu widersetzen, und er unternahm große Anstrengungen, um die neue Einrichtung in der Nachkriegszeit aufzubauen. Während seiner sechsjährigen Amtszeit als Rektor trug er dazu bei, den Grundstein für eine wichtige Entwicklung im norwegischen Hochschulwesen zu legen. 

 

Bjørn Trumpy war ab 1931 Mitglied der Königlich Norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften in Trondheim und ab 1936 der Norwegischen Akademie der Wissenschaften in Oslo. Im Jahr 1951 wurde er zum Kommandeur des St.-Olavs-Ordens ernannt. Er starb 1974 in seiner Heimatstadt Bergen. 

 

Sein Sohn, der 1928 geborene Georg Trumpy, ist ebenfalls Physiker und arbeitete als Forscher am Institut für Atomenergie, war 1957/58 Unesco-Abgeordneter in Kairo und ab 1961 als Physikprofessor an der Technischen Hochschule in Dänemark.

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Nützliche Links zur Emigration nach Norwegen

Link zur Website Heftyeslekten eine Webseite über die Heftye Familien in Norwegen (Norwegisch)

Link zur Website All Naturens ande Drag eine Webseite über die Ott Familien in Norwegen (Norwegisch)

Dokumente zur Emigration nach Norwegen

Link zum Artikel "Streiflichter über die Schweizerische Einwanderung in Norwegen" von Daniel Enersen 1986 (Deutsch)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Walter Zürcher, Schweizer Reeder in aller Welt (Deutsch)

 

Viele Schweizer liessen sich im 18. und 19. Jahrhundert im Ausland nieder, gründeten Handelsniederlassungen und stiegen später in die oft riskante Schifffahrt ein. Dieses umfassende Buch beschreibt die Geschichte fast aller Reeder und Reedereien in der Schweiz vom 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, insbesondere aber die der Glarner Kaufleute, die vor allem in Norwegen erfolgreich Niederlassungen eröffneten. Ein sehr lesenswertes Sachbuch, geschrieben von einem Glarner aus Mühlehorn.

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