HÄTZINGEN

583 M.ü.M.

313 Einwohner (am 1.1.2016)

Hätzingen about 1920
Hätzingen Luchsingen with Glärnisch
Hätzingen 1
Hätzingen 2
Hätzingen 3
Tuchfabrik Hefti Hätzingen
Tuchfabrik Hefti Hätzingen 2
Tuchfabrik Hefti Hätzingen 3

Porträt

 

Das Dorf liegt an der Hauptstraße auf der rechten Seite des Grosstals zwischen Haslen und Diesbach. Im Süden von Hätzingen fließt der Rufi-Bach in die Linth, im Norden liegt der Weiler Tschuepis und im Osten gehört ein Teil des Freiburger Kärpfs (das älteste Wildschutzgebiet der Schweiz) zum Dorfgebiet.

 

Um 1350 taucht der Name Hezzinge(n) zum ersten Mal auf. Es bedeutet wahrscheinlich die Heimat von Hazzo, was eine Kurzform eines Namens wie Hadu ist. Dieser Begriff selbst bedeutet "Kampfschwert" oder "guter Springer". Das ehemalige Stadtwappen zeigte daher einen alemannischen Krieger. Im Spätmittelalter gehörte Hätzingen zum Tagwen Nesselowe. Hätzingen bildete bis 1989 zusammen mit Diesbach, Betschwanden und Haslen einen so genannten Wahltagwen und gehört seit 2004 zur Gemeinde Luchsingen.

 

Zuerst gehörte Hätzingen zur Kirchgemeinde Glarus und seit dem 14. Jahrhundert zur Kirchgemeinde Betschwanden. Seit der Reformation 1528 ist die Mehrheit der Bürger protestantisch.

 

1538 wurde das Großhaus gebaut. Es war ein Lager für Salz und Getreide. Im 18. Jahrhundert war die Handspinnerei die Haupteinnahmequelle für das Dorf. 1831 gründeten die Brüder Steuervogt Johann Heinrich Hefti (1790-1862) und Stadtrat Fridolin Hefti (1793-1854) die Wollstofffabrik in Hätzingen unter dem Namen "Gebrüder Hefti", die bis zu ihrer Schließung 1991 der größte Arbeitgeber des Dorfes war. 1836 war Fridolin Hefti auch erster Besitzer einer Spinnmaschine und 1856 führte die mechanische Weberei Hätzingen die Gasbeleuchtung ein (auch als Premiere in Glarus). Im Jahre 1850 kauften die beiden Brüder Räumlichkeiten für eine Spinnerei. 1882 trennten sich die beiden Hefti-Familien. Oberst H. Hefti-Trümpy zog mit seinen drei Söhnen nach Italien und gründete in Roé (Provinz Brescia) eine Baumwollspinnerei und -zwirnung. Die Werke in Hätzingen wurden von der Muttergesellschaft zurückgekauft und als Spinnerei betrieben. Vier Fabrikantenvillen - erbaut zwischen 1850 und 1907 - zeugen noch vom Reichtum der damaligen Textilindustrie. Die Einwohnerzahl von Hätzingen stieg bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf 500 und hundert Jahre später sogar auf 653. Am 3. August 1893 wurde die Wollstofffabrik von einem Brand heimgesucht. Bei diesem Vorfall sollte der Satz "Hätzige böös" geprägt werden. Ein "Feuerwehrreiter" alarmierte mit seinem Ruf durch alle Dörfer bis Glarus die Feuerwehr.

 

Die Textilfabrik übernahm auch die Schirmherrschaft über mehrere Vereinsformationen: 1862 den Männerchor, 1884 den Schützenverein und 1895 den Gymnastikverein. Im Jahr 1861 finanzierte das Unternehmen auch die Eröffnung einer weiterführenden Schule. In sechs Jahren nutzten 73 Schülerinnen und Schüler von Leuggelbach bis Linthal dieses Bildungsangebot.

 

Die Georg Bilgeri Wandertrophäe im Langlauf (Georg Bilgeri war ein österreichischer Skipionier), die die Tuchfabrik 1950 erstmals für eine 50 Kilometer lange Schweizer Meisterschaft in Linthal spendete, fand internationale Beachtung. Damals war das Bilgeri-Tuch für den Skisport der Bestseller der Unternehmung.

 

Vorübergehend wuchs die Zahl der Mitarbeiter auf rund 640, sank dann aber kontinuierlich. 1981 fiel die Zahl nach einem Jahr, bevor die Spinnerei geschlossen wurde, unter 200. 1986 kaufte ein türkischer Konzern die Textilfabrik, aber schon nach fünf Jahren endete der Betrieb und seitdem prägen Fabrikruinen das Dorfbild von Hätzingen. Im Jahr 2000 waren mehr als vier Fünftel der Arbeitskräfte im Dienstleistungssektor außerhalb von Hätzingen beschäftigt.

 

Der herausragendste Mitarbeiter der Firma F. Hefti & Co. war Melchior Hefti (geboren 1879). Mehr als fünfzig Jahre lang arbeitete er als Schlossermeister in der Firma. Darüber hinaus hatte er folgende Funktionen inne: 1905-1908 war er Gemeinderat, 1908-1938 Vorsitzender des Gemeinderates, 1910-1920 Bezirksrat (1918 Bezirkspräsident), 1913-1917 Untersuchungsrichter, 1920-1947 Kantonsrat (1932-1938 Landamman) und 1938-1953 Ständerat.

 

1873 hatte der Schulbezirk Hätzingen beschlossen, das Sekundarschulwesen der Textilfabrik zu übernehmen. Der Schulunterricht fand vorerst im 1841 erbauten Grundschulhaus statt, später im Anbau des Restaurants "Ochsen" (die erste Schule in Hätzingen ist für das Jahr 1797 dokumentiert). 1890 baute Hätzingen ein Sekundärschulhaus mit einer Wohnung für den Lehrer (bis 2004 diente es als Gemeindehaus). 1923 zogen sowohl die Mittelschüler als auch die Grundschüler in das neu geschaffene heutige Schulgebäude am südlichen Ende des Dorfes. 1973 fusionierte das Gymnasium mit der Schule in Linthal. 

 

Bereits 1471 musste sich Hätzingen mit anderen Talbewohnern zusammenschließen, um die Höfliegg-Brücke in Engi zu erhalten, so wie es eine Entscheidung der Landsgemeinde beschloss. Erst 1892 konnte sich Hätzingen von dieser Verpflichtung lösen.

 

Bis 1838 war die Adlenbachbrücke die einzige Überquerung der Linth zwischen Hätzingen und Luchsingen. Beim Bau einer neuen Brücke im selben Jahr erlebte Hätzingen eine böse Überraschung. Nachdem das Gerüst beseitigt war, brach das Gewölbe zusammen. Sie schufen nun eine Holzbrücke, die 1886 durch eine Eisen- und 1980 durch eine Betonbrücke ersetzt wurde. Aufgrund einer Straßenkorrektur musste das Restaurant "Rössli" 1972 abgerissen werden. Es bestand über 200 Jahre und war wahrscheinlich eines der ersten Gasthäuser im Dorf.

 

Im Jahr 2003 wurde die Runsenkorporation Hätzingen gegründet. Im Jahr 2004 fusionierte die Fürsorgegemeinde Hätzingen mit der Gemeinde Luchsingen. 1989 war fast ein Drittel der 356 Einwohner ausländischer Herkunft, und seit 1973 gibt es in Hätzingen eine tibetische Kolonie.

 

Im Jahr 2011 wurde die Gemeindestruktur des Kantons Glarus neu organisiert und Hätzingen wurde Teil der neuen Verwaltungsgemeinschaft Glarus Süd.

Familien aus Hätzingen

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