Matt

853 M.ü.M.

352 Einwohner (am 1.1.2016)

Porträt

 

Das Dorf wurde auf dem Schuttkegel des Krauchbachs am Eingang zum Krauchal-Tal erbaut. Im Wesentlichen sind die Weiler Brummbach, Stalden und Weißenberg besiedelt.

 

1273 erschien Matt's Gut zum ersten Mal in einer Urkunde. Der Ortsname bedeutet Wiese. Zwischen 1261 und 1273 wurde - mit Erlaubnis der Äbtissin von Säckingen bzw. ihrer Gerichtsvollzieher, den Habsburgern - eine Kapelle gebaut, die 1273 zur Pfarrkirche des Tales erhoben wurde. Der Zehnte im Serntal war nicht nur zwischen dem Ritter Heinrich von Schwanden und dem Meier Diethelm von Windeck 1276 umstritten, sondern auch zwischen dem Kloster Säckingen und der aufstrebenden habsburgischen Herrschaft. Die heutige Kirche stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1497; im Inneren befindet sich eine bedeutende spätgotische Holzdecke. 1528 gab es während der Amtszeit (1527-1530) von Zwinglis Freund Fridolin Brunner einen Bildersturm. Seit der frühen Neuzeit dient die Kirche den Reformierten von Matt und Engi. 1532 besaßen sie eine Alp im Krauchtal (1843 an den Tagwen von Matt verkauft).

 

Das Dorf litt immer wieder unter der Zerstörung des Flusses Sernf. Erst 1828 wurde es durch eine Straße mit dem Haupttal verbunden. 1977 wurde eine Umgehungsstraße gebaut. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 2001 (Gemeindefusion) war der Tagwen Matt Eigentümer der Alpen Krauchtal, Egg und Riseten. Im Bereich der Alp Vorderegg ("Leitplangge") zerstörte ein Sturm 1954 110 Hektar Wald, ein Viertel der nutzbaren Waldfläche der Gemeinde. Vier Jahre später begann Matt mit der Aufforstung für drei Millionen Schweizer Franken. Außerdem wurden zwischen 1976 und 1988 Straßen zu den Alpen Ei und Riseten angelegt. Weitere Entwicklungsprojekte im Krauchtal, im Boligen- und im Haggenwald wurden 1992 für 5,2 Millionen Franken realisiert. Nach den Hochwasserschäden durch den Fluss Bergli im Jahr 1997 war auch eine Entwässerung dieses Flusses geplant.

 

1923 erhielt Matt neue Anlagen zur Wasserversorgung. Dies geschah 1976 auch für Weißenberg. Seit 1917 wird im Dorf elektrisches Licht installiert. Damals lieferte die Spinnerei Spälti den lokalen Strom (Kraftwerk Krauchbach); ab 1931 kaufte Matt ihn von Schwanden. Heute betreibt Matt zusammen mit der Schweizer Regierung ein Elektrizitätswerk im lokalen Militärlager. Andererseits wurden ein Endlager für radioaktive Abfälle sowie eine Übungsanlage für Panzerfahrzeuge im Krauchal (1986) abgelehnt. Seit 1985 befindet sich der Sitz der Gemeindeverwaltung in der "Alten Post".

 

Sowohl Ei und Riseten als auch das Krauchtal - die größte Alp in Glarus - werden seit dem Mittelalter landwirtschaftlich genutzt (Aufzeichnungen finden sich im Säckinger Urbar von 1350). Heute ist die Milchproduktion dort das Hauptgeschäftsfeld. Auf dem Schönbüelfurggel (2206 m), der die Grenze zu St. Gallen bildet, verhindert ein Zaun, dass die über 1000köpfige Flumser-Schafherde im Krauchtal grast. Im Juli 1986 war dort deshalb ein "Ziegenkrieg" ausgebrochen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wanderte eine Walserfamilie mit dem Namen Studer aus Alagna (Piemontesertal) als Steinmetzen ins Sernf-Tal ein, wo sie den Spitznamen Murer erhielt. Ein Uli Murer gründete wahrscheinlich den Stamm der Matter Familie Stauffacher, die seit Anfang des 17. Jahrhunderts unter diesem Namen auftritt. 1767 werden Sägewerke, Mühlen und Stampfen bezeugt. Im Jahr 1777 lebten 257 männliche Bürger im Dorf. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war Matt, wie Engi, überbevölkert und wurde von einer Auswanderungswelle getroffen. Damals lebten 659 Menschen im Dorf. 1868 wurde die Spinnerei Spälti gegründet (bis 1967 in Betrieb, heute als Militärlager für maximal 500 Soldaten und für Ferienlager genutzt). Im Steinbruch nördlich von Matt wurden von 1912 bis 1972 Pflastersteine und Randsteine hergestellt. In der Blütezeit beschäftigte das Unternehmen 90 Mitarbeiter. In Matt ist heute das älteste Bauunternehmen in Glarus ansässig (Marti AG Bauunternehmung). Neben den traditionellen Alp-, Bach- und Straßengesellschaften gibt es seit 1982 eine Wohngenossenschaft.

 

Der Schulunterricht wurde bereits im 17. Jahrhundert nachgewiesen. Im 18. und 19. Jahrhundert betrieben einige Pfarrer Privatschulen (z.B. Jakob Steinmüller, Pfarrer in Matt von 1748-1782 und Jakob Heer, 1832 Gründer des Glarner Schulvereins). Letzterer Sohn, Oswald Heer (1809-1883 / später Naturforscher von internationalem Rang), ging auch in Matt zur Schule. Ein Porträt von Oswald Heer schmückt eines der Fenster der Kirche, und eine Granittafel im angrenzenden Pfarrhaus ehrt ihn. 1834 wurde in Matt das erste Schulgebäude gebaut. 1861 befand sich das Sernftaler Sekundarschulhaus in Matt, während die meisten Grundschüler von Matt die Schule in Engi besuchten. Im Jahr 1990 wurde eine neue Mehrzweckhalle und im Jahr 2002 ein Sportplatz eröffnet.

 

Diese Infrastruktur kommt nicht zuletzt dem örtlichen Turnverein (seit 1921), dem Damensportverein (seit 1960) und dem Sportverein (seit 1985) sowie dem Frauenchor (seit 1914) und dem Matter Musikverein (seit 1990) zugute. Der Schützenverein (1958 von den Militär- und Feldkampfverbänden gegründet) verfügt über einen eigenen Schießstand.

 

In einem Anbau der "Alten Post" befindet sich heute ein Touristenlager. Der Brauch der "Schybenflüügen" ist das Thema des Gemeindewappens. In der Nacht des Fastens werden von einem Berghang aus eckige Holzscheiben mit langen Haselnussstäbchen durch die Luft ins Tal geworfen.

 

Auf dem Weißenberg (dem sonnigsten Ort des ganzen Kantons) gibt es etwas Tourismus, z.B. im Winter dank Skitourenrouten und einer Schlittenfahrt ins Dorf. Seit kurzem bietet ein Landwirt auf der Berglialp Wellnessurlaub mit Almgerichten und Molkebädern an.

Der Friedhof von Matt

Die Kirche von Matt

Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1497 und ist die älteste erhaltene Kirche in Glarus

Innenansicht der Kirche von Matt

Familien von Matt

 

Beglinger

Bäbler

Elmer

Jakober

Kubli

Marti

Schuler

Speich

Stauffacher

Wirth

Wohlwend

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