Die Wucht des Berges: Esther Angsts neue Novelle “Teufelsberg” zum Bergsturz von Elm
- Patrick

- vor 13 Stunden
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Für alle, die sich mit der Geschichte des Kantons Glarus befassen, ist der Bergsturz von Elm am 11. September 1881 ein zentrales und tragisches Ereignis. Die Illustratorin und Autorin Esther Angst hat sich diesem einschneidenden Moment der Glarner Geschichte nun auf eine ebenso eindringliche wie innovative Weise genähert. Ihre im Baeschlin Verlag erschienene Graphic Novel “Teufelsberg” bietet eine fesselnde und visuell beeindruckende Aufarbeitung der Katastrophe und ist eine wertvolle Ergänzung für jede Literatursammlung zur Region.
Der historische Kontext: Gier und Ignoranz am Tschingelberg
Der Bergsturz von Elm war keine reine Naturkatastrophe, sondern eine von Menschen mitverursachte Tragödie. Im 19. Jahrhundert versprach der Abbau von Schiefer, der unter anderem für die damals weit verbreiteten Schiefertafeln benötigt wurde, wirtschaftlichen Aufschwung. Angetrieben von der Hoffnung auf schnellen Wohlstand, untergruben im Bergbau unerfahrene Einheimische den Plattenbergkopf so massiv, dass die Stabilität des Berges gefährdet wurde. Warnzeichen wurden ignoriert, bis am 11. September 1881 rund zehn Millionen Kubikmeter Gestein zu Tal stürzten, 114 Menschen in den Tod rissen und das Dorfbild für immer veränderten.
Eine Graphic Novel als Mahnung
Esther Angst, selbst im Kanton Glarus beheimatet, wählt für ihre Erzählung die Form der Graphic Novel und schafft es, historische Fakten und persönliche Schicksale meisterhaft zu verweben. Sie nutzt reale Personen als Protagonisten und verleiht ihnen durch ihre eindringlichen Illustrationen eine Stimme. So begegnen die Leser beispielsweise Fridolin „Fridli“ Hauser (1832-1902), der als Verwalter des Schieferbruchs für die Sicherheit der Arbeiter verantwortlich war, und erleben das tragische Schicksal der Familie Nigg-Elmer: Am Morgen des Unglückstages liessen Kleophea (1850-1881) und Matthäus Nigg-Elmer (1837-1882) ihren Sohn Johann Heinrich taufen, nur um Stunden später Mutter und Kind in den Gesteinsmassen zu verlieren.
Das Buch ist mehr als eine reine Nacherzählung der Ereignisse. Es ist, wie der Verlag treffend formuliert, eine “Mahnung an unsere Zeit”. Die Themen, die Angst in “Teufelsberg” verhandelt – der rücksichtslose Umgang mit der Natur aus wirtschaftlichen Interessen, das bewusste Übersehen von Warnsignalen und die Frage nach der Verantwortung – sind heute so aktuell wie damals.
Die Rezensentin Miriam Frei lobt das Werk als ein “eindringlich berührendes Meisterwerk”, das eine meisterhafte Balance zwischen Erzählung und Illustration hält. Die Bildsprache sei so eindringlich, dass man die Wucht des Berges beinahe körperlich spüre. Angst gelingt es, die universellen Themen eines Bergdorfes – den Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt, die Rivalitäten mit Nachbargemeinden und die Sturheit mancher Bewohner – auf eine Weise darzustellen, die den Leser unmittelbar berührt.

Fazit
Esther Angsts “Teufelsberg” ist eine herausragende Neuerscheinung, die den Bergsturz von Elm für ein breites Publikum zugänglich macht und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Die Kombination aus sorgfältiger historischer Recherche und künstlerischer Umsetzung macht diese Graphic Novel zu einer klaren Empfehlung für alle, die sich für die Geschichte des Kantons Glarus interessieren und eine moderne, tiefgründige Auseinandersetzung mit diesem prägenden Ereignis suchen.
Weitere Leseempfehlungen zum Thema
Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bergsturz von Elm und seiner literarischen Verarbeitung empfehlen sich zudem folgende Werke:
Franz Hohler: Die Steinflut (2000, DTV): Diese Novelle schildert die Katastrophe aus der Perspektive der siebenjährigen Katharina Rhyner-Disch, die als Einzige ihrer Familie das Unglück überlebte. Eine sehr persönliche und bewegende Erzählung.
Emil Zopfi: Kilchenstock. Der Bergsturz in den Köpfen (1996, Limmat Verlag): Zopfi beleuchtet, wie das Ereignis das kollektive Gedächtnis der Region geprägt hat und welche Spuren es in den Köpfen der Menschen hinterlassen hat.
Ernst Buss & Albert Heim: Der Bergsturz von Elm (1881, Wurster): Die erste wissenschaftliche Aufarbeitung der Katastrophe, verfasst noch im Unglücksjahr selbst vom Elmer Pfarrer Buss und dem Geologen Heim. Ein wichtiges historisches Dokument zum Verständnis der Ursachen und des Verlaufs des Bergsturzes.
Antiquarisch: ZVAB
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