Der Bergsturz von Elm 1881

Eine vom Menschen verursachte Katastrophe

 

Am 11. September 1881, südöstlich des Glarner Dorfes Elm, wurden auf dem Tschingelberg 10 Millionen Kubikmeter Gestein destabilisiert und rutschten ins Untertal. 114 Menschen wurden getötet. Eine der Ursachen für die Katastrophe war die Fahrlässigkeit im Schieferbergbau.

Am späten Nachmittag des Sonntags, dem 11. September 1881, fielen im Glarner Dorf Elm rund 10 Millionen Kubikmeter Gestein ins Tal. 114 Einwohner, darunter 37 Kinder, wurden getötet; ganze Familien wurden ausgelöscht. 38 Kinder wurden zu Waisenkindern. Insgesamt 31 Leichen wurden geborgen, die restlichen Opfer wurden nie gefunden. 900.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche und große Waldflächen wurden verwüstet; 83 Häuser, 50 Scheunen und Ställe sowie eine Schiefergrube wurden zerstört. Die meisten der Dorftiere überlebten jedoch, da sie noch auf den Alpen grasten.

Menschliches Versagen?

 

1868 wurde mit dem Abbau von Schiefer in Elm am Tschingelkopf begonnen. Dieses Gestein hatte damals einen hohen Wert und trug zum Einkommen der Talbewohner bei. Nur in wenigen Gebieten Europas wurde Schiefer abgebaut. Im Jahr 1879 wurden entweder aus Gier oder wegen einer achtlosen Beurteilung zusätzliche Schieferstollen geöffnet. Sie waren von ausgezeichneter Qualität, wurden aber historisch gesehen als Stützpfeiler im Inneren des Berges belassen. Am Plattenberg, der späteren Bruchstelle, entstand schließlich ein Hohlraum von 180 Metern Breite und etwa 20 Metern Tiefe. Der Berg, dem die innere Stabilität entzogen war, ragte bedrohlich über das Tal. Kontinuierliche und starke Regenfälle Ende August und Anfang September 1881 führten schließlich zu der Katastrophe.

Wildheuer, die von der Tschingelalp nach Hause zurückkehren, berichteten im August, dass sich ein bestehender Riss im Berg massiv vergrößert habe. Der Riss war 2 bis 3 Meter breit und der Boden unter dem Riss war 4 bis 5 Meter gefallen. Anscheinend wurde die Warnung nicht beachtet. Das laute Geräusch der Steinschläge, Abrisse und Brüche wurde bereits während des Sonntagsgottesdienstes am Morgen des 11. September 1881 gehört. Trotzdem verließ kaum jemand das Gefahrengebiet - viele Schaulustige gingen in das betroffene Gebiet oder kletterten in den nahegelegenen Weiler Düniberg auf der gegenüberliegenden Talseite in der Hoffnung, einen besseren Blick auf das Ereignis zu bekommen.

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Drei Phasen der Katastrophe

 

Das Rumpeln auf dem Berg und der anhaltende Felssturz hatten zahlreiche Zuschauer angezogen. Dann brach der Berg plötzlich zusammen und stürzte in einer ersten Phase ins Tal. Die Leute, die auf der gegenüberliegenden Seite des Hanges stiegen, fühlten sich dort sicher. Lagerräume in der Mine und eine vorsorglich geräumte Gaststätte wurden zerstört. Körperlich wurde noch niemand verletzt. In Panik bereiteten die Menschen im Untertal ihre Flucht vor. Unerschrockene Nachbarn eilten zur Hilfe - und damit zum Unglücksort. Siebzehn Minuten nach dem ersten Abriss stürzte der Tschingelberg nochmals ab, ein zweiter, größerer Bergsturz folgte. Im Bereich der Grube trafen die Felsen auf die vorstehende Bergnase, sprangen auf und stürzten in den Talboden. Die Druckwellen allein entwurzelten Bäume, rissen die Dächer von den Häusern und liessen Wände einstürzen. Von der Spitze des Plattenbergs brachen riesige Felsmassen ab, die den Berg gestützt hatten.  Zu jedem Zeitpunkt drohte der Plattenberg "Kopf" abzubrechen. Weitere drei bis vier Minuten dauerte es, bis der Plattenberg zusammenbrach. Diese dritte Phase besiegelte schließlich das Schicksal der Opfer.

 

Die Erde bebte. Riesige Gesteinsmassen brachen und erzeugten einen ohrenbetäubenden Donner auf dem Felsvorsprung des Bergmassivs. Schwarze Staubwolken raubten jegliche Sicht. Auf der anderen Seite des Tales befanden sich viele, die dachten, sie seien sicher, nun in einer ebenso tödlichen Gefahr wie diejenigen, die sich im Tal in Sicherheit bringen wollten. Die Trümmer verflüssigten sich und bildeten einen zähflüssigen Fluss aus Schlamm und Fels, der mit horrenden Geschwindigkeiten von fast 200 Kilometern pro Stunde auf das fast ebene Gelände raste und den gegenüberliegenden Hang hinaufrollte. Die Verwüstung von fast einem Quadratkilometer Land war abgeschlossen.

Hilfe aus aller Welt

 

Die Lawine wurde weltweit gemeldet. Noch Wochen nach der Katastrophe reisten Hunderttausende von Zuschauern nach Glarus. Von Zürich und St. Gallen aus fuhren Extrazüge in das Katastrophengebiet. Die Gesten der Sympathie dieser Fremden überwogen den Sensationshunger. Die ganze Schweiz sammelte für das stark betroffene Dorf Elm. Sowohl die Kantonsregierungen als auch der Bundesrat leisteten Soforthilfe. Aus der ganzen Welt flossen Spenden ein. Von Nordamerika bis Südamerika, Afrika und Australien, Japan, Rumänien, die Philippinen, die Türkei und Russland gingen Spenden für das betroffene Dorf ein.

 

Das Ereignis und seine Ursachen wurden im selben Jahr von dem Ortspfarrer Ernst Buss und dem Geologen Albert Heim in ihrer Publikation "Der Bergsturz von Elm" beschrieben. Ein Roman, der diese Ereignisse umgibt, wurde geschrieben von Franz Hohler (2000): Die Steinflut. Der Roman rückt den Erdrutsch in den Hintergrund; er beschreibt die letzten zwei Tage vor der Katastrophe aus der Sicht der siebenjährigen Katharina Rhyner-Disch (* 1874, † 1959). Sie verlor fünf Geschwister, eine Großmutter und beide Elternteile.

Link zur Liste aller Opfer des Bergsturzes von Elm

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