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Reisen, Erinnerungen und Familiengeschichten aus dem 19. Jahrhundert

  • Autorenbild: Patrick
    Patrick
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Manchmal entstehen die spannendsten Geschichtsdokumente nicht aus offiziellen Chroniken, sondern aus sehr persönlichen Notizen. Die mehrsprachige Webseite von Karla Mulder ist ein schönes Beispiel dafür. Sie widmet sich den Reisetagebüchern ihres Grossonkels Jan Schindler und seiner Cousine Sophie Müller – und macht deren Erlebnisse aus dem 19. Jahrhundert heute wieder zugänglich.


Die Seite ist weit mehr als ein Familienprojekt. Sie verbindet persönliche Reiseberichte, historische Kontexte und visuelle Dokumente zu einem lebendigen Bild einer Zeit, in der Reisen noch beschwerlich, langsam und voller Begegnungen war. Besonders angenehm ist, dass die Inhalte nicht nur auf Niederländisch, sondern auch auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch zur Verfügung stehen und damit einem breiten Publikum offenstehen.


Reiseberichte, die Geschichte atmen


Im Zentrum der Webseite stehen mehrere ausführliche Reiseberichte. Jan Schindler beschreibt unter anderem seine Reise von 1825 nach Schaffhausen sowie eine weitere grosse Reise im Jahr 1854, bei der er zahlreiche Verwandte in der Schweiz besucht. Seine Texte erzählen von Wegen zu Fuss, von Landschaften, Städten und Menschen, aber auch von Müdigkeit, Staunen und Neugier – ganz ohne den Blick eines Touristen, sondern als Reisender seiner Zeit.


Einen besonders eindrücklichen Kontrapunkt setzt das Tagebuch von Sophie Müller aus dem Jahr 1858 mit dem Titel „Zwei Monate Leben“. Darin schildert sie ihren Aufenthalt bei Verwandten in Herisau und gibt sehr persönliche Einblicke in ihren Alltag, ihre Beobachtungen und ihr Erleben als Frau im 19. Jahrhundert. Gerade dieser Text macht die Seite so wertvoll, weil er Perspektiven zeigt, die in klassischen Geschichtsbüchern oft fehlen.


Familie, Orte und Verbindungen


Die Webseite ordnet die Tagebücher sorgfältig in ihren familiären und geografischen Zusammenhang ein. Eigene Abschnitte widmen sich den Familien von Jan Schindler und Sophie Müller sowie ihrem erweiterten Umfeld. Dadurch werden Namen, Beziehungen und Lebenswege nachvollziehbar – auch für Leserinnen und Leser, die keinen direkten Bezug zur Familie haben.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Orten, die in den Reiseberichten erwähnt werden. Städte wie Zürich, Winterthur, Aarau, Genf, Chur oder Herisau tauchen ebenso auf wie kleinere Orte im Glarnerland. Besonders spannend ist, dass die Webseite historische Reiserouten sichtbar macht und zeigt, welche Strecken damals zu Fuss zurückgelegt wurden. So wird deutlich, wie anders Entfernungen und Mobilität vor rund 170 Jahren erlebt wurden.


Bilder als stille Erzähler


Die visuelle Gestaltung unterstützt die Texte auf unaufdringliche Weise. Historische Abbildungen, Porträts, Karten und Dokumente geben den Tagebüchern ein Gesicht und helfen, sich die damalige Zeit vorzustellen. Die Bilder wirken nie illustrativ um ihrer selbst willen, sondern vertiefen das Verständnis für die Reisen, die Menschen und ihre Lebenswelt.


Ein stilles Juwel für Geschichts- und Kulturinteressierte


Was diese Webseite besonders macht, ist ihre Ruhe. Sie drängt sich nicht auf, sondern lädt zum Entdecken ein. Wer sich für Reisegeschichte, Alltagsleben im 19. Jahrhundert, Familienforschung oder die Schweiz jener Zeit interessiert, findet hier eine sorgfältig kuratierte Sammlung authentischer Quellen – persönlich, respektvoll und gut lesbar aufbereitet.


Die Webseite ist öffentlich zugänglich unter: https://kjjm.nl/bucher-muller-schindler/


Ein Besuch lohnt sich – nicht nur als Blick in eine Familiengeschichte, sondern als Reise in eine Zeit, in der jeder Schritt, jeder Weg und jede Begegnung noch ein kleines Abenteuer war.

Dieses Projekt lebt nicht nur von historischen Dokumenten, sondern auch vom Dialog in der Gegenwart. Karla Mulder freut sich sehr über Rückmeldungen, Anmerkungen und persönliche Gedanken zu den Reiseberichten, den dargestellten Orten oder den beteiligten Familien. Besonders wertvoll sind Hinweise, Ergänzungen oder neue Perspektiven, die helfen, die Geschichte weiter zu vertiefen. Kommentare und Feedbacks können direkt über die Kontaktseite der Webseite übermittelt werden – Karla liest diese mit grossem Interesse und beantwortet sie gerne.



Links: Kaspar Schindler (1766–1826), Jans Vater, stammte aus Mollis. Er trat in die Schweizer Truppen im Dienste der Niederlande ein und blieb in Holland.


Rechts: Sophie Müller (1827–1913)Ihr Vater war Johann Jakob Müller (1797–1884) aus Herisau. Er diente im selben Regiment wie Kaspar und heiratete Kaspars zweite Tochter.



Sowohl Jan als auch Sophie hatten viele Verwandte in Glarus. Ihre Geschichten unterscheiden sich erheblich, aber beide hatten eine tolle Zeit und genossen die schöne Schweiz (Eindruck von Karla Mulder)

 
 
 

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