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Die Kindersterblichkeit im Kanton Glarus in der Zeit von 1500 bis ins 20. Jahrhundert

Aktualisiert: 12. Apr.

Kindersterblichkeit war im Kanton Glarus wie in ganz Europa von 1500 bis ins 20. Jahrhundert ein trauriges und alltägliches Ereignis. Kaum eine Familie blieb in der Zeit vor dem 19. Jahrhundert davor verschont. In dieser Zeit starb bis zu einem Drittel aller Kinder vor dem fünften Lebensjahr. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir die Gründe für diese hohe Kindersterblichkeit und werfen einen Blick auf die Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte.



Ein entscheidender Faktor für die geringe durchschnittliche Lebenserwartung in früheren Epochen war die hohe Kindersterblichkeit. Von 100 Neugeborenen starben im 18. und 19. Jahrhundert oft mehr als 20 bis 25 im ersten Lebensjahr.

 

Einer der Hauptgründe für die hohe Kindersterblichkeit war der Mangel an medizinischer Versorgung und Hygiene. Die medizinischen Kenntnisse und Techniken waren in früheren Jahrhunderten weit weniger fortgeschritten als heute. Krankheiten wie Pocken, Typhus und Tuberkulose grassierten und forderten besonders unter den Kindern unter fünf Jahren ihre Opfer. Zudem mangelte es an sauberem Wasser, hygienischen Verhältnissen und ausreichender Ernährung, was die Anfälligkeit der Kinder für Krankheiten zusätzlich erhöhte.

 

Auch die sozialen Verhältnisse spielten eine Rolle bei der hohen Kindersterblichkeit. Viele Familien lebten in großer Armut und konnten sich keine angemessene medizinische Versorgung leisten. Zudem waren die Lebensbedingungen oft extrem hart, mit hoher Arbeitsbelastung der Eltern und unzureichenden Wohnverhältnissen. Dies führte dazu, dass die Kinder häufig unterernährt und anfälliger für Krankheiten waren.

 

Ein weiterer wichtiger Faktor für die hohe Kindersterblichkeit war die hohe Geburtenrate. In früheren Jahrhunderten hatten die Menschen viele Kinder, da die Sterblichkeitsrate hoch war und nicht alle Kinder das Erwachsenenalter erreichten. Dies bedeutete eine große Belastung für die Eltern und die Gesellschaft insgesamt, da sie viele Kinder verloren und für die Überlebenden sorgen mussten.

 

Ein weiterer Grund für die Kindersterblichkeit, wenn auch in einem späteren Lebensalter, war die Kinderarbeit. Kinder wurden von klein auf in der Landwirtschaft und in der Industrie eingesetzt. Harte Arbeit und lange Arbeitszeiten belasteten die Kinder und schwächten ihre Gesundheit.

 

Erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu einem deutlichen Rückgang der Kindersterblichkeit. Die Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit wurde insbesondere durch eine Veränderung der Mutter-Kind-Beziehung reduziert. Veränderte Stillgewohnheiten (Stillen durch die Mutter) sowie eine intensivere und hygienischere Säuglingspflege erhöhten die Lebenserwartung der Neugeborenen. Die mütterliche Fürsorge wirkt sich natürlich auch auf die Qualität der Kinderernährung aus, da liebevolle Mütter in der 'schlechten alten Zeit' eher Kuhmilch als Brei für ihre Kinder suchten. Sie hatte auch Auswirkungen auf die häusliche Sauberkeit, denn besorgte Mütter wuschen ihre Kinder eher trocken, hielten die Bettwäsche sauber, hielten Schweine von der Wiege fern und vieles mehr.

 

Fortschritte in der Medizin, bessere Hygiene und Lebensbedingungen, das Verbot von Kinderarbeit und eine bessere Ernährung haben die Kindersterblichkeit im Kanton Glarus allmählich gesenkt. Auch Impfungen gegen Krankheiten wie Masern und Pocken trugen dazu bei, die Gesundheit der Kinder zu schützen und ihre Überlebenschancen zu erhöhen.

 

Die Statistik zeigt, dass die Kindersterblichkeit in der Schweiz vom 17. bis ins 20. Jahrhundert deutlich zurückgegangen ist. Im 17. Jahrhundert starben noch etwa 300-400 von 1.000 Kindern vor ihrem fünften Lebensjahr. Bis zum 20. Jahrhundert sank diese Zahl auf 50-100 pro 1.000 Lebendgeburten. Meine eigenen Auswertungen ergeben für den Zeitraum zwischen 1600 und 1900 eine durchschnittliche Kindersterblichkeit in Glarus von 7,5%, d.h. 75 pro 1.000 Geburten.

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