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Die umstrittene Abstammung der Bachmann-Pacquement: Eine Geschichte zwischen Genealogie, Politik und Skandal

  • Autorenbild: Patrick
    Patrick
  • 15. März
  • 3 Min. Lesezeit


Die Geschichte der Familie Bachmann-Pacquement aus Näfels ist ein faszinierendes Beispiel für die Komplexität von Abstammungsfragen, Identität und rechtlichen Ansprüchen. Sie reicht zurück bis ins 17. Jahrhundert und wurde besonders 1925 durch die Einbürgerung eines französischen Zweigs der Familie in Glarus kontrovers diskutiert. Doch was steckt wirklich hinter dieser Geschichte?


Ursprung der Familie: Die umstrittene Abstammung


Laut dem "Schweizerischen Geschlechterbuch" aus dem Jahr 1953 gibt es erhebliche Zweifel an der Abstammung der französischen Pacquement von der Familie Bachmann aus Näfels. Die angebliche Verbindung geht auf Beatus Jakob Johann Simon Bachmann (1667-1715) zurück, der am 11. Februar 1667 in Näfels getauft wurde. Eine weit verbreitete Legende besagt, dass dieser Simon unter seiner Stiefmutter gelitten habe und sich daher früh in französische Militärdienste begab. Dort habe er Karriere gemacht und sei schließlich unter dem Namen "Pacquement" bekannt geworden.


Allerdings gibt es keine belastbaren Beweise für diese Version. Historische Dokumente zeigen vielmehr, dass Simon Bachmann bereits im Kindesalter verstarb, was die gesamte Genealogie der französischen Pacquement als Erfindung erscheinen lässt. Dennoch wurde behauptet, dass er im Jahr 1714 von König Ludwig XIV. für seine Verdienste im französischen Militär mit dem erblichen Grafentitel ausgezeichnet wurde. Diese Behauptung steht jedoch auf wackligen Füßen, da sein Name in den offiziellen französischen Militärlisten jener Zeit nicht erscheint. Bei dieser Gelegenheit mag als Kuriosum erwähnt werden, dass Ludwig XIV., nicht zur Freude des französischen Uradels, in wiederholten Geldverlegenheiten zwangsweise den Adel «verlieh» und beispielsweise im Jahre 1695 nicht weniger als 500 reiche und wohlhabende Bürger zur Annahme von Adelstiteln zu je 6'000 Livres verpflichtete, um auf diesem Wege der Ebbe in der Staatskasse zu begegnen.


Die Einbürgerung von 1925: Ein umstrittenes Kapitel


Im Jahr 1925 stellte der Pariser Bankier Graf Fernand-Léon de Pacquement (1879-1966) einen Antrag auf Wiederaufnahme in das Bürgerrecht von Näfels. Unterstützt durch einen Glarner Rechtsanwalt, reichte er Dokumente ein, die seine Abstammung von Johann Georg Bachmann, einem Landammann von Glarus aus dem 17. Jahrhundert, belegen sollten. Diese Dokumente wurden jedoch später als unvollständig und fehlerhaft entlarvt. Dennoch wurde das Bürgerrechtsgesuch ohne tiefere Prüfung bewilligt – eine Entscheidung, die später für viel Kritik sorgte.


Interessanterweise führte die Familie Pacquement bis 1925 ein anderes Wappen und war in Mühlhausen im Elsass als einfache Bürger ohne Adelstitel registriert. Dies verstärkte die Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Abstammungsgeschichte.


Ein Finanzskandal erschüttert die Familie


Der Name "Pacquement" geriet erneut in die Schlagzeilen, als 1929 ein Skandal die Pariser Finanzwelt erschütterte. Fernand Léon Bachmann-Pacquement (1879-1966), der als "Baron von Pacquement" bekannt war und wenige Jahre zuvor die Wiederaufnahme in das Bürgerrecht beantragt hatte, wurde als Börsenmakler in einen massiven Betrugsfall verwickelt, der seinen Kunden einen Verlust von mehreren zehn Millionen Francs bescherte. Er wurde von der berüchtigten Spekulantin und Anlagebetrügerin Marthe Hanau (1886-1935) beschuldigt, Gelder veruntreut zu haben, und floh daraufhin in die Schweiz. Dort wurde er in Glarus erkannt und schließlich in St. Gallen verhaftet. Sein Fall sorgte in der Schweizer Presse für Aufsehen, insbesondere da er als Schweizer Bürger und Bürger von Näfels registriert war. Er stellte sich schlussendlich am 20. Februar 1929 selbst der Pariser Polizei und wurde dort dann auch einvernommen. Ob es zu einer Verurteilung gekommen ist, ist nicht überliefert.


Die verschollene Fahne von General Niklaus Franz von Bachmann


Ein weiteres kurioses Detail in der Verbindung zwischen der Familie Pacquement und Näfels ist der Verbleib einer historischen Fahne. Die Regimentsfahne von General Niklaus Franz von Bachmann (1740-1831), die lange Zeit als verschollen galt, wurde 1948 vom Historischen Verein des Kantons Glarus von einem Herrn de Pacquement aus Paris erworben. Diese Fahne, die ursprünglich von General Bachmann aus seinen militärischen Diensten nach Näfels gebracht wurde, befand sich später im Besitz der Familie Pacquement. Dass diese Verbindung auch materielle Spuren hinterließ, zeigt einmal mehr die verzweigte und teils mysteriöse Beziehung zwischen den angeblichen Nachfahren der Bachmann und ihrer behaupteten Heimatgemeinde.



Was bleibt von der Legende?


Die Geschichte der Bachmann-Pacquement zeigt, wie komplex und umstritten genealogische Fragen sein können. Während einige Mitglieder der Familie ihren Schweizer Ursprung betonten, fehlen die historischen Beweise, um eine direkte Verbindung zu den Bachmann von Näfels herzustellen.


Heute bleibt die Episode von 1925 eine umstrittene Entscheidung der Gemeinde Näfels, die zeigt, dass Abstammung nicht immer durch nachweisbare Fakten, sondern manchmal auch durch politische und persönliche Interessen geprägt wird. Die angebliche Verleihung des Grafentitels durch Ludwig XIV. bleibt dabei ein besonders kurioses Detail: In einer Zeit, in der der französische König aus finanziellen Nöten zahlreiche Adelstitel verkaufte, ist es nicht ausgeschlossen, dass ein wohlhabender Außenseiter wie Pacquement sich seinen Grafenstatus einfach erkauft haben könnte. Die Geschichte des Pariser Skandals verleiht dem Ganzen zudem eine dramatische Wendung – eine perfekte Mischung aus historischer Recherche, genealogischer Debatte und kriminalistischem Flair.

 

 
 
 

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