Brasilien - Erste Kolonisten aus Glarus

Vista da Colonia Allema senardor Verguir
Colonia de Ibicaba
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Litografia da fazenda Ibicaba
Ibicaba 2013
Mapa das fazendas Ibicaba 1875
Fazenda Angelica Rio Claro
Torre do relogio Ibicaba 2014
Escravos no terreiro de cafe
Escravos no eito de cafe Ibicaba
Emigrantes 3
Emigrantes
Porto de Santos
Emigrantes 2
Reiseplakat_Hamburg_Südmaika
Nicolau_Pereira_de_Campos_Vergueiro
Thomas Davatz
Thomas Davatz Familie
Municipalities in Sao Paolo 1872

Auswanderung nach Brasilien

Brasilien wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts als das irdische Paradies und Schlaraffenland stilisiert. Der Kaffeeanbau galt als Symbol für den in der Ferne zu erlangenden Wohlstand. Zwischen 1852 und 1857 wanderten rund 2000 Schweizerinnen und Schweizer in die Provinz Sao Paulo nach Brasilien aus, wo sie auf 25 Kaffeeplantagen verteilt als Kaffeepflücker arbeiteten. Sie waren durch Missernten und Hungersnöte zur Auswanderung gezwungen worden. Die Realität in Brasilien hingegen war eine andere – das Paradies in den Köpfen wich rasch dem harten Alltag auf den Plantagen. Durch die zunehmende internationale Kritik an der Sklaverei unter Druck geraten, versuchte man in Brasilien seit den 1840er-Jahren, Sklaven durch Kolonisten zu ersetzen, die als Halbpächter die Kaffeeplantagen bewirtschaften sollten. Seit langem an die Haltung von Sklaven gewöhnt, wurden jedoch auch die Schweizer ungerecht behandelt. Die Auswanderer hatten kaum eine Chance, ihre Schulden zu bezahlen und freie Bauern zu werden. In der Folge kam es zu einer Revolte gegen die ihnen aufgezwungenen Arbeits- und Lebensbedingungen, die sich zu einer Schweizer Staatsaffäre ausweitete und die Auswanderung nach Brasilien rasch versiegen liess.

Erste Kolonisten (Ankunft im August 1853)

Die erste bekannte Gruppe von Glarner Kolonisten, hauptsächlich aus Engi und Matt, verließ Hamburg im Juli 1853 in Richtung Santos. Nach ihrer Ankunft in Santos gingen sie alle auf die Kaffeeplantagenfarm Ibicaba.

Zweite Gruppe der Pionier-Kolonisten (Ankunft im Juni 1855)

Thomas Davatz (1815-1888) war Schulmeister in Fanas, Fideris und Malans im Schweizer Kanton Graubünden. Im Jahr 1854 beschloss er, nach Amerika auszuwandern. Seine ursprüngliche Idee war, sich in den USA niederzulassen. Infolge der positiven offiziellen Propaganda der Regierung entschied er sich schliesslich, sich in Brasilien niederzulassen. Zusammen mit einer Gruppe von Landsleuten aus Graubünden, aber auch aus dem Glarnerland, dem Aargau und anderen Teilen der Schweiz bestieg er am 20. April 1855 in Hamburg das Segelschiff "Kronprinz Ernst August", mit dem er am 15. Juni 1855 nach etwas mehr als 7 Wochen in Santos ankam. Die Gruppe wurde von der Kolonisationskompanie des Senators Nicolau de Campos Vergueiro angeheuert. Einige der Siedler wurden auf das Landgut Ibicaba und andere auf das Landgut Angelica geführt, die sich beide im Bundesstaat São Paulo befanden. Beide Kolonien gehörten Senator Vergueiro, wo er Kaffee anbauen ließ. 

Die grosse dritte Gruppe der Glarner Pionier-Kolonisten (Ankunft im August 1855)

Die Gruppe, die im Juni 1855 von Hamburg nach Santos aufbrach, war die grösste geschlossene Reisegruppe der Glarner nach Brasilien. Die meisten von ihnen kamen von Matt und Engi.

Die Anfänge der Einwanderung nach São Paulo

(Übersetzung der unten zitierten Website Imigração germânica no estado de São Paulo)

Es begann 1827 im Bundesstaat São Paulo, als 995 Siedler aus Deutschland geholt wurden, die von Major Schaffer im Dienste der kaiserlichen Regierung angeheuert worden waren. Mit diesen Einwanderern wurden die Kolonien Santo Amaro (meist evangelisch) und Itapecerica (meist katholisch) gegründet.

 

1837 wurden über Major João Bloem weitere 227 Einwanderer, meist Preußen, ins Land gebracht, von denen sich 56 (sechsundfünfzig) im Stahlwerk von Ipanema in Sorocaba niederließen und die restlichen 171 beim Bau der Straße von Cubatão nach Sao Paulo beschäftigt waren.

 

Von 1846 bis 1849 führte Senator Vergueiro das koloniale Partnerschaftssystem ein und stellte 506 deutsche Einwanderer für die Arbeit auf der Kaffeeplantage in der Nähe der Ibicaba-Farm ein. Nach einer von dem Schweizer Thomaz Davatz initiierten Revolte, der bessere Arbeitsbedingungen forderte, verbot Preußen die Einwanderung in den Bundesstaat São Paulo.

 

Im Jahre 1852 wurden 36 (sechsunddreißig) Familien aus Holstein eingewandert, insgesamt 170 Personen. Von diesen 27 Familien gingen zur Arbeit in die Fazenda São Jerônimo, die Francisco Antonio de Souza Queiroz in der Gemeinde Limeira gehört.

 

Der Rest, d.h. 9 Familien gingen zur Farm Sete Quedas, die Joaquim Bonifácio do Amaral in der Gemeinde Campinas gehört.

 

Im Jahr 1862 nahm der Hof Ibicaba wieder mehr deutsche Einwanderer auf. Es gab 104 Familien, die hauptsächlich aus Renania Palatinado und Vestphalia stammten.

 

Den Informationen zufolge gab es mehr als 100 Ortschaften mit Einwanderern deutscher und schweizerischer Herkunft, die auf den Kaffeeplantagen im Landesinneren von São Paulo arbeiteten.

 

Dieser Zustrom von Einwanderern brachte im 19. Jahrhundert etwa 8.000 deutsche und schweizerische Einwanderer in den Bundesstaat São Paulo.

 

Diese Einwanderer wurden vollständig in die lokale Bevölkerung integriert, so sehr, dass ihre Nachkommen, die 3. und 4. Generation, die deutsche Sprache völlig vergaßen.

 

Eine Beschreibung der Kolonien werden auf der zitierten Webseite aufgeführt.

Dokumente zu den ersten Kolonisten in Brasilien aus Glarus

Link zum Artikel Brazil - Early Colonists from Glarus (nur Englisch) mit einer Auflistung aller bis heute bekannten Emigranten aus Glarus

Link zum Artikel The Sharecropping System and the European Immigration by Jose Eduardo Heflinger (Englisch)

Link zum Artikel Ibicaba - Die Wiege der privat organisierten europäischen Einwanderung by Jose Eduardo Heflinger (Deutsch)

Links

Link zur Website über die Deutsche Immigration in den Staat São Paulo mit einer Beschreibung der Kolonien (nur auf portugiesisch)

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